Sexuell übertragbare Krankheiten auf dem Vormarsch

Syphilis, Tripper oder Herpes – dass aus dieser Ecke noch einmal Gefahr drohen wird, hat wohl niemand mehr gedacht. Syphilis galt in unseren Breiten als nahezu ausgestorben. Tripper und Herpes gingen vor allem in den letzten 20 Jahren stark zurück. Mittlerweile aber warnen Experten, dass die sexuell übertragbaren Erkrankungen in vielen europäischen Ländern wieder auf dem Vormarsch sind.

Chlamydien- und humane Papillomviren-Infektionen zählen in Deutschland zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen. Besonders bedenklich sind zwei Entwicklungen:

  • Es stecken sich immer öfter Personen über 45 mit sexuell übertragbaren Krankheiten an. Zwar sind noch immer 95 Prozent der Erkrankten jünger als 45. Männer sind bei einer Ansteckung mit einer Geschlechtskrankheit im Durchschnitt 34 Jahre, und Frauen 27. Doch unter den älteren erhöht sich die Infektionsrate deutlich. Sie hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Markant sind die Zahlen bei Herpes, Syphilis und Gonorrhoe.
  • Das Wissen über die Gefahr von sexuell übertragenen Infektionen nimmt ab. Gerade weil kaum noch jemand damit rechnet, werden Krankheitsanzeichen oft übersehen.

Der „Klassiker“ der Infektionen, die sexuell übertragen werden können, ist der Tripper, medizinisch korrekt als Gonorrhoe bezeichnet. Er macht sich typischerweise zumeist drei Tage nach dem infektiösen Kontakt mit Brennen beim Wasserlassen und einem gelblichen Ausfluss aus der Scheide oder Harnröhre bemerkbar. Eine Ansteckung kann aber auch je nach Sexualpraktiken im Rachenraum oder im Darmausgang Beschwerden verursachen und zu Fehldiagnosen führen. Der Erreger ist sehr gut mit Antibiotika behandelbar – Folgen einer Nichtbehandlung sind fortschreitende Entzündungen im Unterleib bis hin zur Unfruchtbarkeit.

Eine häufige sexuell übertragene Krankheit ist auch die Chlamydien-Infektion. Diese wird oft übersehen, weil sie oft keine oder nur leichte Krankheitssymptome zeigt und dabei weiter fortschreitet. Ein leichter Ausfluss aus Scheide, Harnröhre oder Po, kann ein Hinweis sein. Schmerzen beim Geschlechtsverkehr  können hinzukommen. Die Gefahren sind ebenfalls Entzündungen und Unfruchtbarkeit. Der Erreger ist über einen Abstrich oder über den Urin nachweisbar und kann antibiotisch behandelt werden. Gonorrhoe und Chlamydieninfektionen werden vor allem beim ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen.

Zu oft vergessen und sehr infektiös ist die Syphilis. Sie verläuft in Stadien und zeigt im Erststadium an der Eintrittspforte des Erregers kleine offene Hautgeschwüre, nach Wochen folgen roter Hautauschlag und Lymphknotenschwellungen und nach Monaten bis Jahren dann befällt der Syphiliserreger (Treponema Pallidum) die  Organe, Nerven und das Gehirn  mit schweren Folgeschäden. Die Erreger finden sich vor allem in den offenen Geschwüren, in den Sexualflüssigkeiten und im Blut. Ein Kontakt hiermit führt zu einer Infektion. Syphilis kann nur in den Anfangsstadien durch Antibiotika ganz geheilt werden. Laut Robert-Koch-Institut stecken sich seit 2004 bundesweit jedes Jahr zwischen 3.000 und 3.500 Menschen mit der Siphilis an, vor allem Männer.

Keine Entwarnung gibt es auch bei HIV/Aids. Denn hier besteht trotz sehr guter Therapieerfolge in Bezug auf Lebenserwartung und Lebensqualität noch keine Heilungsmöglichkeit. Auch bei dieser Krankheit sind oft viele Jahre keine Krankheitsanzeichen zu bemerken, weswegen die Betroffenen oft lange Zeit nichts von ihrer Erkrankung ahnen. Deswegen ist es umso wichtiger, sich bei unbekannten Sexualkontakten mit Safer-Sex zu schützen. Derzeit werden in Deutschland etwa 3.000 neue Diagnosen mit HIV gestellt. Ende 2010 lebten nach Auskünften des Robert-Koch-Instituts etwa 70.000 Menschen in Deutschland mit HIV/AIDS. 

Das Vorliegen unbehandelter anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen erhöht das Risiko einer HIV-Übertragung. Bei einer Chlamydieninfektion z. B. ist das Risiko der HIV-Übertragung um das drei- bis fünffache erhöht. Gehen Sie deswegen auf jeden Fall zum Arzt, wenn Sie verdächtige Anzeichen an sich sehen, und lassen Sie sich genau untersuchen.

Neben den angesprochenen sexuell übertragenen  Krankheiten gibt es noch viele weitere, wie Hepatitis A, B und C, Feigwarzen, Pilzinfektionen, Trichomonaden, sowie Herpes und Filzläuse.
 
Medizinisch unterscheiden sich sexuell übertragbare Krankheiten von anderen Infektionserkrankungen durch Viren, Bakterien und Parasiten nicht. Der Arzt diagnostiziert eine Krankheit und versucht, diese zu behandeln. Doch aufgrund des sexuellen Ansteckungsweges haftet in der allgemeinen Wahrnehmung diesen Erkrankungen auch heute im 21. Jahrhundert immer noch etwas Peinliches und Unangenehmes an. Gespräche darüber oder der rechtzeitige Arztbesuch werden hinausgezögert. Auch erfahren betroffene Sexualpartner zu spät oder gar nicht von ihrem Risiko. Doch nur durch Offenheit zum Austausch, Informiertheit über Erkrankungen und der Bereitschaft., Kondome anzuwenden bei spontanen oder unbekannten Sexualkontakten schützen vor Neuinfektionen.

Neben den niedergelassenen Ärzten bieten die STD-Beratungsstellen (STD = sexuel übertragbare Erkrankungen) der Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz kostenlose und anonyme Beratung und Diagnostik und in Einzelfällen auch Therapie an. Beratung ist ebenfalls durch die Aids-Hilfen möglich.

Eine Übersicht über sexuell übertragbare Krankheiten, ihre Symptome, Vorbeugung und Behandlungsmöglichkeiten, bietet die kostenlose Broschüre „Infektion kennt keine Grenzen“, die Sie gegen ein Rückporto von 0,55 € bei der  Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz, Karmeliterplatz 3, 55116 Mainz bestellen können. Oder Sie loaden den Text down, unter: http://www.lzg-rlp.de/service/printmedien-shop/publikationen/sexualitaet-und-aids/

 

16. bis 30. November 2008 Aktualisiert am 18.5.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl