Männer in den Wechseljahren

Frauen reden untereinander offen über ihre Wechseljahresbeschwerden, über „fliegende Hitze“, depressive Verstimmung und unruhigen Schlaf. Wie aber ist das bei Männern? Als Wechseljahre (oder Klimakterium) bezeichnet man die Zeit der hormonellen Umstellung, die am Ende der fruchtbaren Phase einer Frau steht. Wie die Pubertät  sind die Wechseljahre ein natürlicher Abschnitt im weiblichen Leben. Auch bei Männern lässt die Produktion von Geschlechtshormonen mit dem Alter nach.

Während aber bei der Frau innerhalb von wenigen Jahren, etwa ab dem fünfzigsten Lebensjahr, die Geschlechtsdrüsen ihre Produktion einstellen, ist dies beim Mann ein schleichender Vorgang, der mit 35 oder 40 Jahren beginnt und bis ins hohe Alter anhält. Ein Mann wird demnach nie diese Art von raschem Hormonumschwung kennen lernen, dem Frauen ausgesetzt sind und den sie oft als ein Wechselbad der Gefühle oder als eine Art umgekehrte Pubertät erleben. Man ist daher davon abgekommen, den Testosteronabfall des Mannes als seine „Wechseljahre“ zu bezeichnen.

Trotzdem ist auch der Mann einem Alterungsprozess unterworfen. Beispielsweise steigt mit dem Alter der Fettanteil im männlichen Körper, das Fett wird zudem immer mehr im Körperinneren anstatt in der Peripherie gespeichert. Dieses innere Bauchfett wirkt sich ungünstig auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel aus und steigert das Risiko für einen Herzinfarkt.

Weiterhin nimmt die Skelettmuskulatur an Masse ab und wird immer schlechter mit Blut und Sauerstoff versorgt. Das führt zu einer Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit. Hier gilt allerdings das Motto: Ein trainierter 60Jähriger ist mindestens so fit wie ein untrainierter 30Jähriger. Nicht allein das Lebensalter ist also für die Leistungsfähigkeit entscheidend, sondern auch der Trainingszustand.

Schon ab Ende 20 nimmt bei Männern die Gelenkigkeit und die Dehnfähigkeit der Muskeln ab. Wirbelsäule, Hüft- und Schultergelenke werden zunehmend unflexibler und können zu Schmerzen führen. Die typische Sitzhaltung am Schreibtisch und im Auto fördert zudem die Tendenz zur Unbeweglichkeit. Allerdings können Männer durch Gelenkigkeits- und Dehnübungen hier hervorragend gegensteuern.

Auch die Knochen bekommen das Alter zu spüren: Mit 35 Jahren ist die maximale Knochenmasse erreicht. Danach beginnt schrittweise und zunächst unbemerkt der Knochenabbau. Rauchen, mangelnde Bewegung und  familiäre Veranlagung können auch bei Männern zu Osteoporose (Knochenschwund) führen.

Am meisten leiden die Blutgefäße unter dem Älterwerden. Auf diese Probleme haben Männer einen großen Einfluss, denn vor allem eine bequeme Lebensweise mit zu wenig Bewegung, zu fettreichem Essen sowie Nikotin- und Alkoholkonsum begünstigen eine Gefäßverkalkung (auch Arteriosklerose genannt). Diese führt zu einer Verengung der Blutgefäße, was wiederum einen Bluthochdruck fördert. Da bei verengten Blutgefäßen das Herz stärker gegen den Widerstand anpumpen muss, wird eine verstärkte Ablagerungsbereitschaft von festen Bestandteilen an den Wänden der Blutgefäße bewirkt. Die Durchlässigkeit der Blutgefäße sinkt damit weiter. Bluthochdruck ist also wie ein Perpetuum mobile – ein Mechanismus, der sich beständig selbst weiter antreibt. Die schleichend eintretenden Gefahren lauten dann Herzinfarkt und Schlaganfall. Mit einem gesunden und aktiven Lebensstil, mit viel Bewegung, gesunder Ernährung und Verzicht auf Nikotin und Alkohol gelingt es jedoch, diese Gefahren einzudämmen.

Unser Rat für gesundes Älterwerden: Lassen Sie sich regelmäßig vom Arzt durchchecken, gehen Sie zu Krebsvorsorgeuntersuchungen (Prostata-, Darm- und Hautkrebsvorsorge) und befolgen Sie besonders drei Regeln.

Regel Nummer 1:

Bewegen Sie sich mehr. Es gilt das Motto „Durch Bewegung 20 Jahre lang 40 Jahre jung bleiben“. Grundsätzlich sollte Ihr Sportprogramm aus einer Kombination aus Dehnungs-, Kraft-, Ausdauer- und Koordinationsübungen bestehen. Lassen Sie sich doch einmal zu einem besonderen Anlass ein paar Trainerstunden bei einem Fitnesstrainer schenken, der Ihnen dann speziell Ihr eigenes Trainingsprogramm zusammenstellt.

Regel Nummer 2:

Essen Sie besser. Essen Sie maximal fünfmal am Tag, und zwar nach folgendem Schema: Drei Hauptmahlzeiten, zwei Zwischenmahlzeiten, am besten eiweißhaltig und nicht süß. Damit umgehen Sie stark schwankende Blutzucker- bzw. Insulinspiegel, welche Heißhungerattacken und Gewichtszunahme durch Fetteinlagerung mit sich bringen. Generell sollten Ihre Mahlzeiten nicht zu üppig sein und aus frischen Zutaten bestehen.

Regel Nummer 3:

Entstressen Sie Ihr Leben: Anhaltende Stressbelastungen können das vegetative Nervensystem beeinträchtigen und zu Burnout, Depressionen oder Herzkrankheiten führen. Versuchen Sie sich Freiräume zu schaffen, in denen Sie sich erholen, Freunde treffen, Sport treiben oder einfach nur die Seele baumeln lassen. Wichtig ist eine gute Work-Life-Balance, also ein Gleichklang aus Arbeit und Freizeit. Vielleicht haben Sie auch Lust, Yoga zu lernen oder sich mit Tai Chi oder Qigong zu beschäftigen? Diese aus östlichen Kulturen stammenden Bewegungs- und Atemtechniken wirken sich wohltuend auf das seelische Gleichgewicht aus und tragen zu einem gesunden Lebensstil bei.

 

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131 2069-0. 

16.10.-31.10.2010

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl