Männergesundheit

Es ist paradox: Jedes Jahr kommen mehr männliche als weibliche Babys auf die Welt. Der Männerüberschuss hält sich bis etwa zum 50. Lebensjahr. Dann ist für knapp zehn Jahre der Anteil der Männer und der Frauen gleich groß. Mit dem 60. Lebensjahr stellt sich dann ein zunehmender Frauenüberschuss ein, der seinen Höhepunkt mit etwa 85 erreicht. Es gibt doppelt so viele 85-jährige Frauen wie Männer. Wie kann das sein?

Die Lücken, die der Krieg gerissen hat, sind zwar deutlich zu erkennen. Doch die Tendenz, dass Männer früher sterben als Frauen, setzt sich auch in den Generationen fort, die keine männlichen Soldaten aufs Kriegsfeld schicken mussten. Es muss also noch andere Gründe geben. Und tatsächlich: Männer sind gesundheitlich gegenüber den Frauen benachteiligt!

Ein Grund dafür ist die genetische Ausstattung. Frauen haben bekanntlich jedes Chromosom in doppelter Ausführung, auch das Geschlechtschromosom. Ist ein Chromosom defekt, kann das andere einspringen. Männer hingegen haben diesen Vorteil nicht. Sie tragen statt des doppelten X-Chromosoms ein X- und ein Y-Chromosom in sich. Aus dem Grunde sind sie häufiger von Erbkrankheiten betroffen als Frauen.

Ein weiterer Grund ist das männliche Sexualhormon Testosteron. Dieses ist unbestreitbar wichtig für den Mann, denn es fördert das Wachstum von Barthaaren und Muskeln, oder auch den Stimmbruch und es macht schmerzunempfindlicher. Daneben hat es ein paar unschöne Seiten: Es senkt das gute Cholesterin HDL im Blut, beschleunigt Stoffwechselvorgänge und fördert somit indirekt die Entstehung von Herzkreislaufkrankheiten.

Verstärkt werden diese natürlichen Anlagen durch die Lebensweise. Wie das Statische Bundesamt in seinem aktuellen Jahresbericht mitteilt, sind Männer in allen Altersgruppen häufiger übergewichtig als Frauen. Und das seit Jahrzehnten! Dies verstärkt die Gesundheitsrisiken, die sowieso schon auf den Mann lauern, nämlich Gefäßverkalkung, Bluthochdruck und damit verbunden Herzkreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Herzinfarkt. Neuerdings ist auch bekannt, dass mit einem Übergewicht auch das Risiko für Diabetes Typ 2 drastisch in die Höhe schnellt.

Weiterhin zeigte das Statistische Bundesamt, dass Männer jeder Altersgruppe häufiger rauchen als Frauen. Damit sind andere Krankheiten verbunden, allen voran der Lungenkrebs. Er ist von allen Krebsarten die häufigste Todesursache bei Männern – und immerhin auch schon die dritthäufigste bei Frauen. Rauchen zeigt ebenfalls Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem, die Inhaltsstoffe von Zigarette und Co machen die Blutgefäße starr und unelastisch und fördern damit ebenfalls letztendlich den Herzinfarkt und Schlaganfall.

Stress und Hektik im Beruf, unregelmäßiges ungesundes Essen und wenig Sport tun ihr Übriges, damit das Leben des Mannes zu einer großen Belastung für seine Gesundheit wird. Dass Männer vergleichsweise selten vorsorglich zum Arzt gehen, sondern erst dann, wenn es richtig weh tut, müsste jetzt wahrscheinlich gar nicht erst erwähnt werden. 80 Prozent der Männer haben keine Lust, wegen einer Vorsorgeutersuchung stundenlang in einer Arztpraxis zu warten, zeigt eine Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK, die im Auftrag der Apotheken Umschau durchgeführt wurde. In Familien haben immer noch die Frauen das Gesundheitssteuer in der Hand.

Alles keine schönen Aussichten. Und es gäbe noch weitere Zahlen und Fakten zu nennen, die zeigen, dass Männer zu ungesund leben und zu lasch mit ihrer Gesundheit umgehen. Aber bevor wir jetzt resigniert auflegen, sollten wir uns lieber überlegen, welche Wege aus dieser gesundheitlichen Baustelle des Mannes herausführen.

Wichtig ist vor allem, dass Männer den Standpunkt „Indianer kennen keinen Schmerz“ verlassen. Denn Schmerz und kleine Beschwerden sind oft erste Anzeichen von Krankheiten. So können dauernde Schluckbeschwerden ein Anzeichen für Speiseröhrenkrebs sein. Ein schwächer werdender Wasserstrahl beim Urinieren ist ein Anzeichen für eine sich vergrößernde Prostata und möglicherweise für einen Prostatakrebs. Erektionsstörungen können einen Hinweis auf Diabetes mellitus Typ 2 darstellen. Ein Pkw, der seltsame Fahrgeräusche von sich gibt, oder dessen Motor stottert, wird sofort in die Werkstatt gebracht. Auch wird der Wagen regelmäßig von außen und innen gereinigt. Doch was ein Mann seinem Auto angedeihen lässt, gönnt er sich selbst – aus falsch verstandenem Stolz – meist nicht.

Weiterhin gibt es natürlich Krankheiten, die sich lange Zeit nicht bemerkbar machen, sondern nur durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen rechtzeitig entdeckt werden. Beim Pkw gibt es zu diesem Zweck den TÜV. Für den Mann gibt es auch eine Art von medizinischem TÜV, sie werden Vorsorgeuntersuchungen genannt und von den Krankenkassen bezahlt. Beim Check-ab-35, der für jeden Menschen ab 35 gedacht ist, werden Herzfunktionen und Blutwerte kontrolliert. Ab dem 40. Lebensjahr ist die Glaukomuntersuchung an der Reihe, vor allem, wenn in der Familie jemand an Grünem Star erkrankt ist. Ab 45 sollte sich jeder Mann regelmäßig einer Prostata- und einer Schilddrüsenuntersuchung unterziehen. Ab 55 ist die Darmkrebsvorsorge dran.

Dies alles zählt nur zur Minimal-Früherkennung. Wenn Sie zu Ihrem Hausarzt gehen, wird er Ihnen ggf. noch, an Ihre Krankengeschichte angepasst, weitere Untersuchungen ans Herz legen. Gehen Sie zum Vorsorgecheck, Ihrer Gesundheit zuliebe.

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0. 

 

16. bis 31. Oktober 2006