Erkrankungen der Nasennebenhöhlen

16. bis 29. Februar 2016

Die Nase ist unser Riechorgan und bildet den Resonanzraum für die Stimme. Doch sie erfüllt weitere wesentliche Funktionen: Sie erwärmt die Atemluft, reinigt und befeuchtet sie. Um die Nase herum liegen die Nasennebenhöhlen, die anatomisch gesehen zur inneren Nase gehören.

Diese Nebenhöhlen bestehen aus Stirn-, Kiefer- und Keilbeinhöhlen sowie den Siebbeinzellen. Sie sind luftgefüllte Hohlräume, die sich im Schädelknochen befinden und mit der Nasenhöhle verbunden sind. Sie alle sind, genauso wie auch die Nase, mit Schleimhaut ausgekleidet.

Wenn die Nasenschleimhäute angeschwollen sind, etwa aufgrund einer Erkältung, kann das schleimige Nasensekret, das sich nun vermehrt bildet, nicht mehr abfließen. Stattdessen wird der Schleim gerade beim heftigen Schnäuzen in die Nebenhöhlen gedrückt. In diesen Höhlen herrscht mangels guter Durchlüftung ein feucht-warmes Klima – und darin können sich Erreger rasch ausbreiten und einnisten. Diesen Zustand bezeichnet man als akute Nasennebenhöhlenentzündung, oder kurz „Sinusitis“ genannt.

Die Sinusitis ist schon fast zu einer Volkskrankheit geworden, von der jeder siebte Erwachsene mindestens einmal im Jahr betroffen ist. Bei Erwachsenen sind am häufigsten die beiden Kieferhöhlen entzündet, welche sich im Oberkieferknochen befinden. Bei Kindern sind es dagegen am häufigsten die Siebbeinhöhlen, diese liegen links und rechts unterhalb der Augen. Sie bestehen aus jeweils mehreren Kapseln, ungefähr in der Größe einer Erbse, und münden in den hinteren und in den mittleren Nasengang.

Eine akute Nasennebenhöhlenentzündung macht sich meist durch eine verstopfte Nase sowie ein Druckgefühl im Kopf bemerkbar. Zudem reagiert das Gesicht empfindlicher auf Berührungen. Beim Beugen des Oberkörpers verstärken sich die Beschwerden, der entzündete Bereich beginnt dann unangenehm zu pochen.

Wenn Sie solche Symptome an sich erkennen, ist zunächst körperliche Schonung angesagt. Sinnvoll sind Wärmeanwendungen. Legen Sie zum Beispiel warme feuchte Kompressen auf das Gesicht in den Bereich der betroffenen Nebenhöhlen. Wohltuend ist auch eine Sitzung vor einer Rotlichtlampe oder eine Dampfinhalation mit ätherischen Ölen oder Salzen. Professionelle Inhalationsgeräte werden von manchen Apotheken zu einem geringen Mietpreis pro Tag verliehen. Eventuell erhalten Sie den Inhalator auch über ein Rezept von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Abschwellende Nasentropfen erleichtern den Abfluss aus den Nebenhöhlen. Trinken Sie ausreichend, am besten zwei bis drei Liter Wasser oder Tee am Tag, so kann sich der Schleim verflüssigen und das Mittel besser wirken. Zudem gibt es in der Apotheke kombinierte Präparate auf pflanzlicher Basis, welche die Symptome lindern. Sie hemmen die Entzündung, lösen das Sekret und wenden sich gegen die Krankheitserreger.

Wenn Sie mit diesen Maßnahmen nach drei Tagen keinen sichtbaren Erfolg haben oder sich die Beschwerden verschlimmern, sollten Sie eine Hals-Nasen-Ohren-Praxis aufsuchen. Die Ärztin oder der Arzt kann mit einer sogenannten hohen Einlage dabei helfen, die Nebenhöhlen zu belüften und den Schleim zum Abfließen zu bringen. Hierfür wird ein Wattetupfer, der mit einem abschwellenden Wirkstoff getränkt ist, für zehn Minuten in den mittleren Nasengang platziert.

Mit der ärztlichen Untersuchung wird auch festgestellt, ob es sich um eine eitrige Entzündung handelt. In diesem Fall brauchen Sie ein Antibiotikum. In den allermeisten Fällen handelt es sich jedoch um einen viralen Infekt, bei dem ein Antibiotikum mehr Schaden als Nutzen anrichtet. Wenn Ihre Ärztin beziehungsweise Ihr Arzt Ihnen also kein Antibiotikum verschreibt, ist das bei einer viralen Infektion eine verantwortungsvolle Handlung, die das Risiko verkleinert, eine Antibiotikaresistenz zu entwickeln. Wenden Sie in diesem Fall weiterhin wirkungsvolle Hausmittel an. Dazu gehört übrigens auch, vorsichtig ein Nasenloch nach dem anderen in ein Taschentuch auszupusten, anstatt heftig zu trompeten.

Wichtig ist es, vorzeitig einer Chronifizierung entgegen zu wirken. Denn neben einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung gibt es noch die chronische. Davon ist die Rede, wenn die Entzündung häufiger als viermal pro Jahr auftritt oder länger als drei Monate andauert. Eine chronische Sinusitis kann durch eine verschleppte akute Entzündung entstehen. Sie kann aber auch auf anatomische Ursachen hindeuten, wie eine verkrümmte Nasenscheidewand oder Nasenpolypen, wodurch grundsätzlich der Abfluss des Nasenschleims gestört ist. Und insbesondere die Kieferhöhlen können sich aufgrund einer Zahnwurzelinfektion entzünden.

Und übrigens: Wenn die Therapie gar nicht anschlägt und die Nasennebenhöhlen weiterhin chronisch entzündet sind, besteht möglicherweise eine allgemeine Überempfindlichkeit der Schleimhäute, beispielsweise gegenüber Temperaturwechsel, Trockenheit oder Stäuben – also Einflüssen, denen man sich im Alltag kaum entziehen kann. Ebenfalls kann eine Schmerzmittel-Unverträglichkeit dahinter stehen, auch als ASS-Intoleranz-Syndrom bekannt. Neben der Sinusitis kann sich dies mit einer permanent laufenden Nase und einem häufigen Niesreiz bemerkbar machen, bis hin zur akuten Verengung der Atemwege, den sogenannten Bronchospasmen und sogar schweren Asthmaanfällen. Bis zu 15 Prozent der Asthmapatienten leiden unter dem ASS-Intoleranz-Syndrom.

Wichtig ist also, dass Sie parallel zur Behandlung der Symptome die Ursachen abklären lassen. Dazu gehört neben der anatomischen Untersuchung durch die Hals-Nasen-Ohren-Praxis oftmals auch ein Allergietest. Auch ein Besuch in einer zahnärztlichen Praxis kann erforderlich sein, um eine Zahnwurzelentzündung als Ursache ausschließen zu können.

 

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de,
Redaktion: Marielle Becker

Weiterführende Links zum Thema: 

Ein aufschlussreicher Artikel über den fraglichen Nutzen aber die zweifellosen Probleme, welche die Nasennebenhöhlen mit sich bringen

Allerlei Praktisches rund um die Nasennebenhöhlen