Gestörter Schlaf

„Und gute Nacht.“ So verabschieden wir uns am Ende des Tages. Meist aber, ohne sich dabei etwas zu denken. Dabei ist der gute Wunsch wirklich angebracht: Etwa jeder Vierte ist in Deutschland von Schlafbeschwerden betroffen. Schlafbeschwerden sind der dritthäufigste Anlass für einen Arztbesuch. Nach internationaler Klassifikation (ICD-10) gibt es über 80 verschiedene Schlaf-Wachstörungen. Hier die richtige Ursache herauszufinden, kann schon ein Detektivspiel bedeuten.

 Man unterscheidet dabei zwischen Einschlaf- und Durchschlafstörungen. Einschlafstörungen betreffen oft solche Menschen, die unruhig sind, Stress haben und sich nicht entspannen können. Sie liegen dann wach im Bett und grübeln weiter. Diese schlechte Angewohnheit kann sich leider verselbständigen. D.h., daraus kann eine „psychophysiologische Insomnie“ entstehen. Das ist die häufigste Form von allen Schlaf-Wachstörungen. Sie wird auch als „konditionierte Schlaflosigkeit“ bezeichnet. Wichtig ist es deshalb, Techniken zum Abschalten zu lernen. Dies kann sein, vor dem Einschlafen auf Traumreise zu gehen, sich also ganz bewusst an einen schönen Ort zu versetzen und sich ausmalen, wie wunderbar es dort wäre. Wichtig ist es auch, ein Stressmanagement für den Tag zu lernen, wie z. B. Entspannungsübungen. Dazu gehört auch, sich mit Ritualen den Tag strukturieren, damit Sie nicht das Gefühl haben, alles bricht über Sie hinein. Auch durch Ausdauersport an der frischen Luft werden Sie ruhiger und ausgeglichener. Meiden Sie ebenfalls den Kriminalfilm am späten Abend, sowie Koffein, Nikotin und Alkohol. Ein gutes Hausrezept ist alkoholfreies Bier. Durch den Hopfen werden Sie schläfrig und weil kein Alkohol enthalten ist, wachen Sie auch nicht mehr mitten in der Nacht auf.

Einschlafstörungen sind oft auch Nebenwirkungen von Medikamenten. Dazu gehören manche Psychopharmaka, Appetitzügler, bestimmte Asthmamittel und koffeinhaltige Schmerzmittel. Wichtig: Treten die Einschlafstörungen auf, seit Sie ein neues Medikament nehmen, schauen Sie einmal auf den Beipackzettel und sprechen Sie dann mit Ihrem Arzt. 
Ein ebenfalls häufiger Grund für Einschlafstörungen ist Straßenlärm. An ein beständiges Rauschen kann man sich gewöhnen, nicht aber an An- und Abfahren, wenn man in Ampelnähe wohnt. Ein einfacher aber wirksamer Tipp: Schließen Sie das Fenster oder nehmen Sie Ohrstöpsel.

Kommen wir zu den Durchschlafstörungen. Man schläft normal ein, wacht aber nach einigen Stunden wieder auf. Dies kann ein Zeichen für eine normale Veränderung im Alter sein. Möglicherweise brauchen Sie weniger Schlaf als bisher. Gehen Sie später ins Bett oder stehen Sie früher auf als bisher. Es kann auch auf ein Glas Wein zuviel am Abend hindeuten. Alkohol macht müde, aber stört beim Durchschlafen. Der Rat hier ganz einfach: Trinken Sie weniger oder keinen Alkohol.

Nicht immer liegt die Ursache für eine Durchschlafstörung im Gehirn, sondern oftmals auch im Rest des Körpers. So gibt es beispielsweise Zappelbeine (Restlegs legs). Dies kann auf eine Nervenstörung oder eine Durchblutungsstörung zurückgehen. Man schläft auch schlecht beim vermehrten nächtlichen Wasserlassen (Nykturie), oder bei einer Schilddrüsenüberfunktion. Werden diese Krankheiten behandelt, verschwindet auch das Aufwachen zu nächtlicher Stunde.

Darüber hinaus gibt es einige spezielle Sonderfälle:

  • Die Schlafsucht: Das ist eine krankhafte Schläfrigkeit, bei der die Schlafdauer beträchtlich zunimmt. Sie kann auf andere Krankheiten hinweisen, wie Gehirn- oder Hirnhautentzündung, Hirntumor, Herz- oder Lungenschaden, Leberversagen, Angst, Depression.
  • Das nächtliche Aufschrecken: Betroffene wachen aus dem Tiefschlaf mit lautem Schreien, Zittern und Angst auf. Tags darauf können sie sich nicht erinnern. Bei Kindern und Jugendlichen häufig, verschwindet es meist in der Pubertät. Wenn nicht, deutet es auf psychische Probleme oder eine Alkoholerkrankung hin.
  • Ein besonderes Problem stellt die Schlafapnoe dar. Dies sind Anfallsweise nächtliche Atemaussetzer, danach schnappt der Betroffene richtig nach Luft. Das kann mehrmals in der Stunde passieren. Dabei sind die oberen Atemwege krankhaft verengt, beispielsweise durch Fetteinlagerungen bei Übergewichtigen oder durch vergrößerte Zäpfchen. Während des Tages bekommt man durch die aktive Gaumenmuskulatur trotzdem Luft. Nur nachts, bei schlaffer Muskulatur, entsteht das Problem. Ein Erstickungstod droht nicht, da die Betroffenen rechtzeitig aufwachen. Dann wird das Wachzentrum eingeschaltet. Dabei wird der lebenswichtige Tiefschlaf (Nicht-REM-Schlaf) immer wieder unterbrochen. Die Betroffenen merken die Unterbrechungen nicht, trotzdem kommt es zu gesundheitlichen Folgen: Die Betroffenen sind unausgeschlafen und schlapp. Es bildet sich ein Bluthochdruck heran, weiterhin kommt es zu sexuellen Problemen. Konzentration und Gedächtnis leiden. Zwei Millionen Menschen in Deutschland sind Schlaf-Apnoe-gefährdet.

Wer eine also morgens immer unausgeschlafen ist, sollte zu seinem Hausarzt gehen, der kann eine Überweisung in ein Schlaflabor veranlassen. Das A und O der Behandlung ist zum einen eine Reduzierung des Gewichts und zum anderen die Atemmaske, mit der wird Raumluft in die Atemwege geblasen, sodass diese offen bleiben. Ist die Abnehmdiät erfolgreich, wird die Maske oft überflüssig.

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0.

 

16. bis 30. September 2006