Tabuthema Mund- und Körpergeruch

Jeder Mensch hat seinen eigenen genetisch festgelegten Körpergeruch, der ihn unverwechselbar macht. Dieser Geruch wird von anderen Menschen blitzschnell wahrgenommen und im Gehirn verarbeitet. Dort wird dann entschieden, ob der Geruch anziehend oder abstoßend wirkt. Oft kommt es vor, dass derselbe Körpergeruch bei einem Menschen als mehr, bei einem anderen dagegen als weniger angenehm empfunden wird.

Der Geruch eines Menschen entscheidet also mit über Sympathie oder Antipathie und ist ein Faktor bei der Partnerfindung.

Wenn man allerdings von Körpergeruch spricht, meint man meistens die eher unangenehme Ausdünstung, die es auch gibt. Sie kommt hauptsächlich durch eine übermäßige Schweißbildung zustande. Dabei ist Schweiß normalerweise so gut wie geruchlos. Er besteht hauptsächlich aus Wasser, einigen Salzen und ein bisschen Harnstoff. Neue Erkenntnisse zeigen, wie unangenehmer Schweißgeruch zustande kommt. Es gibt ein Eiweißmolekül mit dem Namen ABCC11, welches geruchsbildende Schweißbestandteile an die Hautoberfläche befördert. Dort werden die Schweißbestandteile durch Bakterien zerlegt, wobei Stoffe entstehen, die den typischen Geruch ausmachen. Wie stark der Körpergeruch ist, hängt von genetischen Faktoren ab. So haben z. B. Asiaten je nach Herkunft kaum oder keinen ausgeprägten Körpergeruch, denn bei ihnen ist das Transporteiweißmolekül genetisch bedingt inaktiv. Die Forschung arbeitet daran, neue geruchshemmende Produkte zu entwickeln, die das Transporteiweißmolekül hemmen und damit vor allem den Achselgeruch unterbinden.

Aber auch jetzt schon gibt es Hilfen gegen das übermäßige Schwitzen. Zunächst einmal sollten Sie Ihre Bekleidung und die täglichen Gewohnheiten so umstellen, dass diese nicht noch zusätzliche Schweißausbrüche hervorrufen. Denn bei Menschen, die viel schwitzen, sind die Schweißdrüsen meist weder vermehrt noch vergrößert, sondern lediglich überstimuliert. Tragen Sie deshalb lockere Kleidung aus Baumwolle und meiden Sie Kunstfasern. Bevorzugen Sie Lederschuhe und -sohlen und meiden Sie Gummi, Kunststoff und Holz an den Füßen. Auch sollten die Schuhe nicht zu eng sein, weil sie sonst die Schweißbildung provozieren. Duschen Sie täglich und benutzen Sie ein Deodorant. Meiden Sie Kaffee, Tee, Alkohol, heiße Getränke und scharfe Gewürze. Knoblauch, Zwiebeln, Curry oder Kümmel können sich auf den Körpergeruch auswirken. Auch geräucherte Lebensmittel und ein hoher Salzkonsum sind mögliche Auslöser. Reizlindernd wirkt hingegen Salbei in jeglicher Form, wie etwa als Tee oder Bonbon.

Wenn dies zu wenig hilft, sollten Sie einen Arzt zurate ziehen. Ihm stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Unter den Achseln, an Händen und Füßen kann er mit einem chemischen Mittel aus Metallsalzen und Gerbstoffen behandeln. Alle zwei bis drei Tage oder Nächte angewandt, verstopfen oder verengen diese Mittel die Schweißdrüsen. Als nächsten Schritt kann Ihnen der Arzt Botulinumtoxin spritzen, das auch als Botox bekannt ist. Es hemmt die Reizübertragung vom Nerv zur Schweißdrüse. Und letztlich gibt es noch die chirurgische Entfernung der Schweißdrüsen, allerdings nur unter den Achseln. An Händen und Füßen ist auch die Leitungswasser-Iontophorese wirksam. Hier wird mit Wasser und schwachem Strom gearbeitet, um die Schweißproduktion zu drosseln. Dies ist eine Dauertherapie, die zunächst täglich, und später alle zwei bis drei Tage durchgeführt wird. Bei einer stärkeren Schweißproduktion stehen dem Arzt weitere Mittel zur Verfügung, die allerdings auch größere unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen.

Darüber hinaus kann das Schwitzen in Folge von Krankheiten auftreten. Allgemeinerkrankungen wie Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion, Herzkrankheiten oder Hormonschwankungen kommen in Frage, ebenso wie Morbus Parkinson als neurologische Erkrankung. Auch deuten bestimmte Geruchsnuancen auf Krankheiten hin. Dies ist der Acetongeruch bei Diabetikern, deren Zuckerwerte schlecht eingestellt sind, oder der ammoniakähnliche Geruch bei Menschen mit einer schweren Lebererkrankung.

Daneben gibt es noch einen anderen Körpergeruch, mit dem wir ebenfalls nicht unangenehm auffallen wollen. Dies ist der Mundgeruch. Auch er geht meist auf die Arbeit von Bakterien zurück. Die besten Plätze finden Bakterien dort, wo die Zahnbürste nicht hinkommt, vor allem im letzten Drittel der Zunge. Hier ist mit die häufigste Ursache für Mundgeruch zu finden. Doch zum Glück gibt es ein einfaches Gegenmittel, das ist ein langstieliger Zungenreiniger. Zungenreiniger sind eigens zur Reinigung der schwer zugänglichen hinteren Zungengebiete entwickelt worden. Am besten eignet sich eine Kombination aus Bürste und Schaber. Mit der Bürste wird der Belag aus den Zungenfurchen gelöst und dann mit dem Schaber entfernt. Verwenden Sie den Zungenreiniger zweimal täglich, immer nach dem Zähneputzen. Das sorgt nicht nur für einen frischen Atem, sondern auch für eine schön aussehende rote Zunge.

Aber auch im Zahnbelag, Zahnstein und in ungereinigten Zahnzwischenräumen sind Ursachen des schlechten Geruchs zu finden. Denn hier entsteht ein optimaler Nährboden für geruchsbildende Bakterien und andere Mikroorganismen. Putzen Sie deshalb Ihre Zähne gründlich, benutzen Sie täglich Zahnseide und lassen Sie regelmäßig vom Zahnarzt den Zahnstein entfernen.

Nikotin- und Koffeingenuss sowie ein verminderter Speichelfluss können ebenfalls zu den Auslösern von Mundgeruch gehören. Da Mundgeruch eine unangenehme und oft auch peinliche Angelegenheit ist, sollten Sie mit Ihrem Zahnarzt darüber reden.

Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131 Mainz, Telefon 06131 2069-0.

 

16.04.-30.04.2010

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner Redaktion: Birgit Kahl