Neurodermitis – Wie Veranlagung und Umwelt zusammen spielen

Neurodermitis ist eine nicht ansteckende, aber unangenehme Hauterkrankung, bei der es an einigen Stellen des Körpers zu Pusteln, Bläschen, Rötungen, trockener Haut mit schuppenden Stellen, Juckreiz und anderen Hautveränderungen kommt. Die Krankheit wird auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt. Sie kann sich in jedem Alter bilden, ohne dass es zuvor Anzeichen gab. Sie tritt in chronischen Schüben auf.

Etwa 12 Prozent der Vorschulkinder und 3 Prozent der Erwachsenen sind von ihr betroffen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Intensität der Symptome ab; sie verschwinden oft um das 30. Lebensjahr.

Im Kindesalter beginnt die Neurodermitis mit Hautveränderungen meist an den Streckseiten von Armen und Beinen, sie geht dann über auf die Gelenkbeugen sowie häufig auf den Po. Weil sich eine Unterfunktion der Talg- und Schweißdrüsen einstellt, wird die Haut glanzlos und sehr trocken. Das Ekzem ist mit einem quälenden Juckreiz verbunden. Das im ersten Moment erleichternde Kratzen verschlimmert die Krankheit noch. Durch die aufgekratzten Hautstellen können Bakterien eindringen und zu Entzündungen führen. Hier beginnt ein Kreislauf, aus dem sich Betroffene nur schwer befreien können. Vor allem Kinder verstehen meist nicht, dass sie nicht kratzen sollen. Da die Haut besonders abends und nachts juckt, kommt es zu Schlafstörungen. Die Betroffenen und auch ihre Angehörigen leiden manchmal über Wochen unter Schlafmangel und Übermüdung. Gereiztheit und Scham über das Aussehen sind die Folgen und können zu großen Problemen in der Familie, der Schule oder am Arbeitsplatz führen. 

Ursache der Krankheit ist eine erblich bedingte Überempfindlichkeit der Haut. Durch einen Auslöser kommt die Krankheit zum Ausbruch. Die Art des Auslösers und die Intensität der Symptome sind von Patient zu Patient verschieden. Häufige Auslöser sind psychische Faktoren wie Stress, Angst und Überlastung. Zusätzlich können typische allergieauslösende Faktoren wie Nahrungsmittel, Wasch- und Pflegemittel, Tierhaare, Hausstaubmilben und Blütenpollen problematisch sein. 

Für die Neurodermitis gibt es noch keine richtige, ursächliche Therapie, allerdings viele Möglichkeiten, die Beschwerden zu lindern. Junge Eltern, die selbst eine Veranlagung zu Hautentzündungen besitzen, können für ihr Baby vorbeugen, indem die Mutter vier bis sechs Monate voll stillt. Danach kann mit der Beikost begonnen werden. Kann nicht gestillt werden, ist vorsichtshalber hypoallergenes Milchpulver zu empfehlen. Wenn Ihr Baby trotzdem trockene Haut, Juckreiz und andere Hautsymptome entwickelt, sollte Ihre erste Maßnahme sein, die trockenen Hautstellen mit einer pflegenden, unparfümierten Babycreme zu behandeln. Wenn sich die Symptome nicht bessern, kann der Kinderarzt – auch mittels eines Allergietests – eine Diagnose stellen und beraten. 

Bei der Wahl einer Therapie ist es für Erwachsene wie auch für Kinder wichtig, auf verschiedenen Ebenen anzusetzen. Mögliche Therapieformen sind die Klimatherapie mit einem Aufenthalt im Gebirge oder am Meer, die Phototherapie mit Lichtbehandlung sowie die Hydrotherapie, die mit Öl- und Teerbädern arbeitet. Eine Psychotherapie oder zumindest das Erlernen einer Entspannungsmethode sind in jedem Fall hilfreich, um mit belastenden Situationen klarzukommen.

Auch vorbeugende Maßnahmen sind zu empfehlen. Hier gilt der Leitspruch: „Viel hilft viel“:

  • Setzen Sie gegen den Juckreiz zunächst eine fettende, auch mit Harnstoff angereicherte Salbe ein. Tragen Sie die Salbe jedoch nicht auf stark entzündete Hautstellen auf, da sich sonst die Bakterien darunter vermehren können.
  • Als Medikament wird ein Antihistaminikum eingesetzt, das die Immunreaktion drosselt. Im Entzündungsfall hilft eine Cortisoncreme, regelmäßig dünn auf die Haut aufgetragen. Kurzfristig wird Cortison auch zum Einnehmen verschrieben, alternativ gibt es andere Arzneistoffe.
  • Ziehen Sie Ihrem Baby oder Kleinkind nachts Baumwollhandschuhe an, damit es sich nicht aufkratzen kann.
  • Vermeiden Sie festgestellte Allergene. Das heißt meistens: halten Sie keine Haustiere, verwenden Sie eine Matratze mit Milbenschutzbezug, waschen Sie Kuscheltiere regelmäßig.
  • Vermeiden Sie alles, was die Haut reizen könnte, wie zum Beispiel Wolle, Synthetisches, Parfümiertes. Verwenden Sie Baumwollbekleidung, duschen und cremen Sie mit unparfümierten Mitteln.
  • Betroffene und die Eltern von betroffenen Kindern können an einem standardisierten Schulungsprogramm teilnehmen, das den Umgang mit der chronischen Krankheit erleichtern und sie beherrschbarer machen soll.

Seit kurzem gibt es einen großen Hoffnungsschimmer. Eine gerade veröffentlichte Studie aus England kam einer grundlegenden Ursache der Neurodermitis auf der Spur. Demnach wird diese Krankheit – genau wie auch die Schuppenflechte – durch eine Fehlsteuerung des immunologischen Gedächtnisses verursacht. Künftige Therapien könnten dann erstmals die Ursache der Krankheit bekämpfen. 

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!



© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

 Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl-Rüther, Mail: bkahl(at)lzg-rlp.de 

16. bis 31. August 2011