Vor dem ersten Schultag

"Endlich Schulbeginn", und die meisten Kinder können es kaum erwarten. Denn endlich gehören sie zu den Großen. Endlich tritt das Ereignis ein, vom dem die Erwachsenen immer so viel Aufhebens machen. Und endlich ist auch diese aufregende Schultüte in greifbarer Nähe. Und trotzdem hat jedes Kind auch etwas „Bammel“ vor diesem Tag. Es kann sich noch nicht richtig vorstellen, wie das neue Leben in der Schule aussehen wird.

Es weiß, dass es aus der vertrauten Kindergartengruppe herauskommt und sich neue Freunde suchen muss. Diese Ungewissheit ist für manche beängstigend. Hinzu kommt, dass sich viele Erwachsene immer so merkwürdig benehmen, wenn sie nach der Schule fragen. "Noch freust du dich ...", sagen sie vieldeutig. Oder : "Bald beginnt der Ernst des Lebens." Und manchmal sind die Bemerkungen der Erwachsenen sogar richtige Drohungen: "Dort wird man dir schon noch beibringen, wie man sich benimmt." Mit solchen Bemerkungen nehmen Sie Ihrem Kind die Chance, unbefangen und gerne in seine neue Lebensphase zu starten. Reden Sie deshalb positiv über die Schule, machen Sie Lust aufs Lernen. Dies geht zum Beispiel so, indem Sie gemeinsam mit Ihrem Kind Bücher anschauen, und ihm sagen, dass es schon bald selbst lesen können wird. Und wenn Ihr Kind jetzt schon seinen eigenen Namen oder Mama oder Papa schreiben will, dann zeigen Sie ihm die ersten Buchstaben - oder die ersten Zahlen. Allein deswegen, um den Wissensdurst des Kindes nicht zu bremsen.

Natürlich muss Ihr Kind auf keinen Fall vor Schulbeginn schon Schreiben, Rechnen oder Lesen können. Aber Sie können ihm dabei helfen, die Grundvoraussetzungen fürs spätere Lernen zu erfüllen.

Wichtig ist beispielsweise, dass Ihr Kind seine Fingergeschicklichkeit, auch Feinmotorik genannt, trainiert. Die braucht es später fürs Schreiben und fürs Basteln. Eine gute Feinmotorik erwirbt Ihr Kind spielerisch durch: Kneten, Malen, Schneiden, Puzzeln und mit Steckmaterialien spielen - dies alles macht Spaß und ist gleichzeitig ein gutes Training. Wichtig ist auch, dass Ihr Kind lernt, in ganzen Sätzen zu sprechen. Das kann es nur, wenn Sie ein gutes Vorbild sind, und Ihr Kind auch korrigieren, wenn es z. B. einfach nur "Wasser" sagt, aber meint, "bitte Mama, gib mit ein Glas Wasser".

Für die spätere Rechtschreibung ist es wichtig, dass Sie heute schon Wörter korrekt und deutlich aussprechen, und vor allem die Endsilben nicht verschlucken. Wie soll sonst Ihr Kind begreifen, dass es "spielen" heißt, wenn Sie immer nur "spieln" sagen.

Mit der Schule beginnt auch ein neuer Tagesrhythmus. Jeden Morgen um 8 Uhr wird Ihr Kind auf der Schulbank sitzen, ausgeschlafen, gewaschen, gekämmt und mit einem guten Frühstück im Bauch. Das heißt, Ihr Kind braucht auch regelmäßige Zu-Bett-Geh-Zeiten. Länger aufbleiben, mal mit den Eltern abends noch in den Biergarten - das geht alles leider nicht mehr. Ein geregelter Tagesablauf, konstante Regeln und feste Zeiten helfen den Kleinen, mit dem neuen Tagesrhythmus zurecht zu kommen. Mit der Umstellung können Sie auch jetzt schon beginnen.

Spätestens am zweiten Schultag dann müssen auch die Eltern etwas ganz entscheidendes lernen. Sie müssen Ihr Kind loslassen. Sie müssen vertrauen, dass die Lehrerin oder der Lehrer die Sache gut macht und dass Ihr Kind in dem großen Klassenverband nicht untergehen wird. Sie können Ihr Kind unterstützen, indem Sie ihm dabei ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Das geschieht, wenn Sie Ihrem Kind schrittweise mehr Verantwortung übergeben und es immer mehr Sachen selbst machen darf. Lassen Sie Ihr Kind doch selbst für alle Familienmitglieder die Frühstücksbrötchen am Sonntag kaufen, falls der Bäcker nicht weit entfernt ist. Und vor allem, lassen Sie es sich ohne fremde Hilfe an- und auszuziehen. Denn das muss Ihr Kind spätestens im Sportunterricht allein können.

Mit dem Schulbeginn erhalten die Kinder auch viele Freizeitangebote. Ballett, Musikschule, Gärtner- oder Sportkurse - schon beim ersten Elterntag vor Schulbeginn wird den Eltern all dies für die Kleinen offeriert. Frühzeitige Förderung ist eine wichtige Sache, sagen die Hirnforscher. Bevor Sie jetzt aber die Nachmittage Ihres Kindes verplanen, überlegen Sie folgendes: 
Schulkinder brauchen auch viel Zeit für sich, fürs Spiel, für ihre Freundinnen und Freunde. Und sie brauchen viel Zeit, um einfach auch draußen, auf dem Spielplatz oder im Garten, unbeschwert herumbolzen und toben zu können. Dies gilt für Mädchen und Jungs gleichermaßen. Denn in der Schulzeit prasseln erst einmal viele neue Eindrücke auf Ihr Kind ein. Zudem muss es erst einmal lernen stillzusitzen. Wenn nach der Schule immer noch mehr Wissen eingetrichtert wird, wird es bald streiken. Also verplanen Sie nicht mehr als ein oder zwei Nachmittage und am besten ist es, wenn dabei auch eine Gelegenheit zu Sport besteht. Dies ist eine gute Ausgleichmöglichkeit für das Stillsitzen. Außerdem profitiert davon auch noch die Schule, denn nicht nur Lernen, sondern auch Bewegung macht schlau. Deshalb ist es wichtig zu wissen, dass insbesondere ein bewegter Kindertag ein guter Kindertag ist. Lassen Sie Ihrem Kind nach den Hausaufgaben noch genug Zeit zum freien Spielen am besten draußen, an der frischen Luft.

Möchten Sie mehr Informationen zu diesem Thema? Unsere neue LZG-Broschüre "Starke Kinder lernen gut" und die Broschüre des Bildungsministeriums "Ich freue mich auf die Schule" senden wir Ihnen gerne zu. Bitte schicken Sie uns vorab 1,44 Euro in Briefmarken und Ihre genauen Anschrift.

Sie finden diesen und weitere Texte auch auf der Homepage der LZG unter www.gesundheitstelefon-rlp.de. Unsere Adresse: Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG), Hölderlinstraße 8, 55131Mainz, Telefon 06131/2069-0.

 

 

1. bis 15. August 2005