HIV-positiv und erwerbstätig?!

Der Weltaidstag am 1. Dezember legt den Schwerpunkt auf das Thema „HIV in der Arbeitswelt“. Wir wollen die Lebensumstände und Herausforderungen betrachten, die HIV-infizierte Menschen im Berufsalltag zu meistern haben. Experten schätzen, dass in Deutschland rund zwei Drittel der Menschen trotz ihrer HIV-Infektion arbeiten. Im Durchschnitt sind sie dabei nicht häufiger krankgeschrieben als andere Arbeitnehmer.

Dennoch befürchten viele Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, dass Menschen mit HIV nicht voll einsetzbar sind. Und obwohl man sich beim alltäglichen Umgang nicht anstecken kann, gibt es noch Angst vor Ansteckung am Arbeitsplatz.

Die Infektion mit HIV gilt als behandelbare, wenn auch nicht heilbare, chronische Krankheit. Es gibt mittlerweile mehr als 20 Medikamente gegen die Vermehrung von HI-Viren. Mit einer HIV-Infektion gibt es zunächst keinen Grund, die Arbeit einzustellen, denn die Leistungsfähigkeit ist noch nicht eingeschränkt. Infizierte sollten jedoch regelmäßig ihr Blut untersuchen lassen und rechtzeitig mit der konsequenten Einnahme der Medikamente beginnen. Denn dies bietet die Chance auf eine annähernd normale Lebenserwartung. Allerdings haben die HIV-Medikamente eventuell Nebenwirkungen, wie Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Hautausschläge, die die Lebensqualität beeinträchtigen können. Laut Aussage der Deutschen Aids-Hilfe kommen zwar rund 80 Prozent der Betroffenen recht gut mit den Nebenwirkungen zurecht, wenn sie jedoch die Erwartungen des sozialen und beruflichen Umfelds nicht mehr erfüllen können, drohen ihnen unter Umständen Arbeitslosigkeit, Armut und gesellschaftliche Isolation.

Wichtig ist es für die Betroffenen, ihren Tagesablauf zu überprüfen und mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu besprechen, zu welchem Zeitpunkt die Medikamente eingenommen werden sollen. Denn die regelmäßige Tabletteneinnahme sollte nicht zur Geheimniskrämerei am Arbeitsplatz werden. Auch stellt sich die Frage, ob HIV-positive Menschen der Arbeitgeberin beziehungsweise dem Arbeitgeber und dem Kollegium von ihrer Infektion berichten sollen. Rechtlich gesehen muss eine HIV-Infektion nicht mitgeteilt werden, es darf sogar bei direkter Nachfrage die Unwahrheit hierzu gesagt werden. Mit nur wenigen Ausnahmen: Pilotinnen und Piloten dürfen grundsätzlich mit einer HIV-Infektion nicht weiterarbeiten. Im Gesundheitswesen können Menschen mit HIV grundsätzlich als Arzt oder Ärztin oder in der Kranken-  und Altenpflege arbeiten. Nur operierende Ärzte, zum Beispiel Chirurgen müssen unter bestimmten Bedingungen und bei bestimmten Tätigkeiten ihr Skalpell weglegen.

HIV-Infizierten darf aufgrund ihrer Infektion nicht gekündigt werden. Trotzdem trauen sich die wenigsten, ihre Infektion offen zu kommunizieren. Zwar kann es einerseits entlastend sein, mit offenen Karten zu spielen, andererseits aber wissen die Kolleginnen und Kollegen oft gar nicht, wie sie damit umgehen sollen. Die AIDS-Kampagne will dazu beitragen, irrationale Ängste abzubauen und Mythen entgegenzutreten, um Ausgrenzung von Menschen mit HIV, auch am Arbeitsplatz, zu verhindern. Mit mutigen Statements wie „Ich habe HIV. Und den Respekt meiner Kollegen. Hätte ich auch Deinen?“ werben Betroffene daher auf Plakaten sowie im Kino- und TV-Spot für Toleranz und Solidarität. Viele HIV-Infizierte entscheiden sich für einen Mittelweg: Sie informieren nur ausgewählte gute Kollegen. Das kann eine gute Entscheidung sein, denn es ist sehr ermutigend und aufbauend, wenn einem gute Freunde und Kolleginnen und Kollegen zur Seite stehen und auch einmal tröstende Worte finden. Und das geht natürlich nur mit Offenheit. Bei der Entscheidung, wie eine betroffene Person selbst damit verfahren will, kann eine Beratung in einer nahegelegenen Aidshilfe oder den Aids-Beratungsstellen der Gesundheitsämter sehr hilfreich sein. Im Internet finden Sie Anlaufstellen unter www.aidshilfe.de/adressen. Fachkräfte der Aids-Hilfen und Gesundheitsämter in Rheinland-Pfalz finden Sie auf der Homepage der LZG unter www.lzg-rlp.de/projekte/sonderprojekte/aidssti-praevention/aidssti-fachkraefte/.

Und noch ein Hinweis zum Schluss: Denken Sie daran, ein Kondom schützt vor HIV und einigen anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Ganz nach dem Slogan der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: "mach's! aber mach's mit!".

 

01. bis 15. Dezember 2012

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker