Diabetes Typ 2 - gesunde Ernährung

Immer mal wieder gibt es eine richtige Revolution im Medizinbereich, wenn aufgrund von neuen Erkenntnissen alle bisherigen Empfehlungen über Bord geworfen und durch neue ersetzt werden. So ist es mit den Ernährungsempfehlungen bei Diabetes. Während früher hier strenge Vorschriften herrschten – von vorgeschriebenen Diätplänen, dem dauernden Wiegen des Essens und dem Zählen der Broteineinheiten bis hin zum kompletten Zuckerverbot – lässt sich heute die Ernährung recht individuell gestalten.

Menschen mit Diabetes dürfen grundsätzlich alles essen, sofern es sich um eine gesunde kalorienverträgliche Mischkost handelt, so lautet die neue Devise. Ihre Ernährung unterscheidet sich nicht mehr wesentlich von der gesunden ausgeglichenen Kost eines Nicht-Diabetikers.

Doch auch wenn es jetzt erst einmal wie ein Widerspruch klingt, ist man auch zu der Erkenntnis gekommen, dass die übermäßige Zufuhr von Kalorien und das daraus folgende Übergewicht der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung der Krankheit ist. Insbesondere das Fettgewebe, das die inneren Bauchorgane umgibt, hängt eng mit dem Diabetesrisiko zusammen. So liegt die Vermutung nahe, dass man es mit einem vernünftigen Essen auch wieder schaffen kann, von seinen erhöhten Zuckerwerten im Blut runterzukommen.

In einer Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung ist genau dies untersucht worden. Es wurden knapp 600 Menschen mit und ohne Diabetes ausführlich zu ihrer Ernährung befragt. Daraus ergab sich ein Ernährungsmuster, welches mit einem um bis zu 80 Prozent niedrigeren Diabetesrisiko einherging. Dieses beinhaltete viel frisches Obst, selten zuckerhaltige Limonaden oder Bier sowie wenig Fleisch, Fleischwaren, Hülsenfrüchte und helle Brotsorten. Eine Schlussfolgerung dieser Studie ist: Das Diabetesrisiko lässt sich allein durch eine Ernährungsumstellung reduzieren.

So gibt es fünf wichtige Grundregeln für gesundes Essen:

  • Regel Nummer 1:
    Essen Sie nicht zu fett. Denn das ist erstens wegen seiner Kalorien schlecht, die wiederum das Bauchfett fördern. Und Bauchfett ist der größte Risikofaktor für die Insulinresistenz, welche schließlich zu einer Erschöpfung der Bauchspeicheldrüse führt – also den Diabetes begünstigt. Und zweitens fördert ein fetthaltiges Essen die Arteriosklerose, also die Verkalkung der Blutgefäße. Betroffen sind vor allem die Herzkranzgefäße, denn deren Gefäßinnenhaut reagiert besonders sensibel auf Fettsäuren. Fettteilchen wie Cholesterin können sich hier besonders leicht einlagern. Da Diabetes sowieso schon die Gefäßverkalkung fördert, verdoppelt sich durch stark fetthaltiges Essen das Risiko für Folgeschäden, wie etwa ein Herzinfarkt. Aber die Durchblutung verschlechtert sich auch in den dünnen Arterien im Bereich des Gehirns, der Augen, der Nieren und der Füße.
  • Regel Nummer 2:
    Achten Sie auf den glykämischen Index. Diese Zahl informiert darüber, wie schnell ein bestimmtes Lebensmittel den Blutzucker erhöht. Gut für Sie sind Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index. Dies sind vor allem ballaststoffreiche Kohlenhydratträger. Denn wenn der Blutzucker nur langsam erhöht wird, brauchen Sie auch nur wenig Insulin. 
    Gut ist für Sie, viele Vollkornprodukte zu essen, also Vollkornnudeln, Vollkornreis oder Vollkornbrot. Auch frisches Gemüse, Salate und frisches Obst sind gut geeignet. Trinken Sie dafür selten zuckerhaltige Limonaden oder Bier.
  • Regel Nummer 3:
    Essen Sie nicht zu viel. Eine große Portion verlangt ebenfalls nach viel Insulin, damit der ins Blut geschwemmte Zucker in die Körperzellen aufgenommen werden kann. Also ist es besser, die Bauchspeicheldrüse nicht mit großen Essensmengen zu belasten. Auch die Kalorien sind ein Argument für diese Regel.
  • Regel Nummer 4: 
    Die Mittagszeit sollte für die Hauptmahlzeit vorbehalten bleiben. Denn zu dieser Zeit fördert die Bauchspeicheldrüse von Natur aus besonders viel Insulin, denn auch sie unterliegt einem cirkadianen Rhythmus.
  • Regel Nummer 5: 
    Spezielle Diabetesprodukte sind out. Hierfür wird Fruchtzucker verwendet, welcher ähnliche Wirkungen wie der normale Haushaltszucker hat. Dafür sind diese Produkte teurer. Diese Kosten können Sie sparen. 
    Kalorienfreie Süßstoffe in beispielsweise Getränken können hingegen sinnvoll sein.

Zur Ernährung gehört jetzt noch ein weiterer Punkt immer dazu: Die regelmäßige Bewegung, die das perfekte Dinner krönt. Erfahrungswerte sagen, dass sich Diabetiker zu etwa zwei Drittel mit der Ernährung etwas Gutes und Gesundes tun sollen, und zu einem Drittel mit der Bewegung. Wenn Ihnen zum Beispiel nach einem Eis gelüstet, dann fahren Sie mit dem Fahrrad zur Eisdiele und nicht etwa mit dem Auto. Mit dieser Methode dürfen Sie ruhig einmal über die Stränge schlagen.

Bewegung sorgt nämlich dafür, dass die Muskelzellen leichter vom Insulin aufgeschlossen werden und die Zuckereinheiten aufnehmen können. Hier sind besonders schnelles Gehen, Schwimmen und Radfahren geeignet. Aber auch das Krafttraining sollten Sie nicht vergessen. Damit wird Muskulatur aufgebaut, wodurch der Energieverbrauch in Ruhe steigt. Die Bewegung können Sie auch in den Alltag einbinden, also Treppe statt Aufzug benutzen und kürzere Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Wichtig ist dabei, dass Sie sich täglich 20 bis 30 Minuten bewegen. Das ist nicht viel – aber weniger sollte es auch nicht sein.

 

01. bis 15. November 2007 Aktualisiert am 5.5.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl