Hepatitis C - wie kann ich mich im Urlaub schützen?

Hepatitis C ist eine Infektionskrankheit, bei der sich ein gefährliches Virus – das Hepatitis C-Virus – in der Leber ansiedelt und dort schwere irreparable Schäden hervorruft. In tropischen und subtropischen Gebieten, aber auch in Ägypten und Marokko ist die Hepatitis C weit verbreitet. Bei uns galt sie bislang als Erkrankung, von der nur Drogenabhängige oder Transfusionspatienten gefährdet sind.

Das stimmt aber mittlerweile nicht mehr. Experten befürchten, dass sich die Hepatitis C epidemieartig in der breiten Bevölkerungsschicht ausbreiten könnte. Ein Impfstoff ist noch nicht in Sicht. Und die einzige Therapie, die zur Verfügung steht, spricht auch nur ungefähr bei jedem zweiten Patienten an. Die Krankheit ist also hochgefährlich und ihr Verlauf immer noch weitgehend unberechenbar. Grund genug, sich über Hepatitis C zu informieren und – sich davor zu schützen. Denn die Ansteckung passiert oft kinderleicht.

Ansteckung

Das Hepatitis C-Virus wird auf dem Blutweg übertragen. Und das geht schnell: Eine Maniküre oder Pediküre am Urlaubsort, eine kurze Behandlung im Krankenhaus, ein Besuch beim Zahnarzt, beim Akupunkteur oder auch im Piercing- oder Tätowierungsstudio, ungeschützter Sex mit einem Infizierten – und schon läuft man Gefahr sich anzustecken.

Die Zahl der Neuansteckungen hat sich sprunghaft erhöht. Im Jahr 1997 haben deutschlandweit 6.272 Menschen neu infiziert. Von da an gab es eine Zunahme an Neuerkrankungen mit einem Höhepunkt im Jahr 2004, in dem Jahr infizierten sich 9.036 Menschen mit Hepatitis C. Von da an aber sank die Zahl der Neuerkrankungen wieder. Im Jahr 2009 waren es 5.412 (Zahlen: Robert-Koch-Institut). Allerdings ist trotzdem weiter Vorsicht geboten: Derzeit sind schätzungsweise 500.000 Menschen in Deutschland mit Hepatitis C infiziert. Und jeder von ihnen kann das Virus weitergeben.

Verlauf

Es ist schwer, bei einer Hepatitis C den Krankheitsverlauf genau zu beschreiben, weil das Virus in sehr unterschiedlichen Variationen auftreten kann. Somit ruft es auch sehr unterschiedliche Reaktionen im Menschen hervor. Dies erschwert die Diagnose.

Ist das Virus im Körper eingedrungen, dann verhält es sich zunächst einmal unauffällig. Von dieser ersten so genannten akuten Phase merken drei Viertel der Betroffenen gar nichts.

Das restliche Viertel spürt in der akuten Phase zuerst einmal grippeähnliche Symptome, bis es dann zur eindeutigen Gelbsuchtphase kommt. Das bedeutet, dass das Virus sich in der Leber eingenistet hat und dort Entzündungen hervorruft. Das zeigt sich wie folgt:

  • Der Urin färbt sich dunkel
  • Der Stuhl wird heller
  • Das Augenweiß wird gelblich
  • Die Haut kann einen gelblichen Schimmer erhalten
  • Bauchbeschwerden, meist im rechten Oberbauch, dort wo die Leber sitzt

Wie schon gesagt, können die beiden Phasen „ grippeähnliches Vorstadium“ und „typische Gelbsuchtphase“ auftreten, müssen aber nicht.

Nach der akuten Phase kann folgendes passieren:

1. Die Krankheit kann ausheilen.

2. Die Krankheit geht in eine chronische Verlaufsform über.
Dies ist bei weit über 50 bis hin zu 90 Prozent aller Infizierten der Fall. Von einer chronischen Hepatitis spricht man, wenn die Entzündung mindestens sechs Wochen besteht und in der Leber weitere Schädigungen hervorruft. Auch hier ist wieder ein breites Spektrum an Krankheitsanzeichen möglich. Diese reichen von starken Oberbauchschmerzen und wieder auftretenden Gelbfärbungen von Haut und Auge, bis hin zu milden uncharakteristischen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Leistungsschwäche. Es ist sogar eine völlige Symptomfreiheit möglich.

Aber egal wie sich die Hepatitis C zeigt: Es besteht immer die Gefahr, dass durch die Entzündung die Leber komplett zerstört wird. Bei etwa 20 bis 30 Prozent aller Patienten mit einer chronischen Hepatitis verschlimmert sich die Krankheit permanent, bis am Ende – nach durchschnittlich 30 Jahren – eine Leberzhirrose steht. Das bedeutet, die hochspezialisierten – zuvor entzündeten – Leberzellen gehen größtenteils unter, bzw. sie wandeln sich in Narbengewebe und Bindegewebe um. Damit kann die Leber aber ihre Funktionen nicht mehr ausüben. Dies ist tödlich.

Richtiges Verhalten bei Verdacht

Das Hepatitis C-Virus kann lange Zeit meist ohne eindeutige Symptome im Menschen leben. Die Krankheit ist aber trotzdem lebensgefährlich, und ansteckend sind Sie auch. Deswegen: Wenn Sie im Urlaub mit fremden Blut in Berührung kamen, sollten Sie zwei Wochen nach Urlaubsende zum Arzt gehen und Ihr Blut untersuchen lassen. Im Bluttest wird die Erbinformation des Virus nachgewiesen sowie die Antikörper, die der Organismus als Abwehr bildet. 
In ganz frühen Stadien gibt es noch keine medikamentöse Therapie. Klarheit ist aber trotzdem wichtig, denn Sie müssen jetzt Ihre Leber schonen, indem Sie auf Alkohol verzichten.

Medikamente werden meist erst im chronischen Stadium gegeben. Die Standardtherapie besteht darin, dass über sechs bis 12 Monate Interferon einmal wöchentlich gespritzt wird. Interferon unterstützt das Immunsystem in der Bekämpfung des Virus.

Die Heilungsrate beträgt je nach Untertyp des Virus 50 bis 80 Prozent. Das heißt: Selbst im besten Fall bekommen Ärzte das Virus bei zwei von zehn Erkrankten nicht in den Griff. Und im Normalfall sind es sogar fünf von zehn Fällen.

Vorsorge ist wichtig

Eine vorsorgliche Vermeidung ist hier also ganz wichtig. Und deswegen hier unsere Tipps

  • Vermeiden Sie jeden Kontakt zu fremden Blut.
  • Suchen Sie nur seriöse Maniküre- und Pedikürestudios auf.
  • Lassen Sie sich nie auf der Straße piercen oder tätowieren, bzw. verzichten Sie in Risikoländern darauf.
  • Seien Sie vorsichtig bei netten Urlaubsbekanntschaften, und benutzen Sie ein Kondom.

 

16. bis 31. Juli 2005 Aktualisiert am 22.3.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl