Haustiere sorgen für seelisches Wohlbefinden

 Es ist zum Dahinschmelzen, wenn der Hund mit seinen treuen Augen aufschaut und sich ganz auf sein Frauchen oder Herrchen einstellt. Oder wenn die Katze mit wohligem Schnurren um die Beine streicht, auf der Suche nach ein paar Streicheleinheiten. Wer ein Haustier hat, möchte es meist nicht mehr missen. Haustiere sind aber mehr als nur lieb, süß und kuschelig. Sie sorgen auch dafür, dass es dem Frauchen oder Herrchen gut geht.

Dies zeigte beispielsweise eine Studie aus den USA anhand von 2.500 Katzenbesitzern, die über zehn Jahre lang beobachtet und mit 2.000 Menschen verglichen wurden, die kein Haustier hatten: Das Ergebnis zeigte, dass anhaltendes Zusammenleben mit einem Stubentiger das Risiko eines Herzinfarktes, eines Schlaganfalls oder anderer Herzkreislauferkrankungen senkt. Die Forscher führten dies auf die stressmindernde beruhigende Wirkung der Tiere zurück. Eine australische Studie, die 6.000 Haushalte einbezog, bestätigte: Hunde- und Katzenhalter benötigen deutlich seltener einen Arzt als Menschen ohne Haustier.

Die Gegenwart von Tieren steigert auch das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Dies zeigt eine Studie von Professor Dr. Reinhold Bergler aus Bonn. Er befragte Bewohner aus 37 Altenheimen: Drei Viertel von ihnen gaben an, dass sie sich einsam und fremdbestimmt fühlen und ihr altes Umfeld vermissen. Doch die Situation änderte sich völlig, als ein Wellensittich Einzug in das Leben der Senioren hielt. Der Vogel bekam sofort einen Namen wie Hansi, Peterle oder Butzi und wurde ins Herz geschlossen. Damit kam ein emotionaler Prozess in Gang. Die Bewohner fühlten sich wieder gefordert und gebraucht und es gab plötzlich viel Gesprächsstoff mit den anderen Heimbewohnern. Nach nur acht Wochen Zusammenleben mit dem Wellensittich fühlten sich nur noch fünf Prozent der Befragten einsam.

Studien dieser Art gibt es jede Menge, berichtet der Forschungskreis "Heimtiere in der Gesellschaft". So ist ein Familienhund hilfreich bei der Entwicklung der Kinder: Den Kindern geht es insgesamt besser und sie sind ausgeglichener, weil sie sich von dem vierpfötigen Mitbewohner verstanden fühlen. Darüber hinaus steigert der Hund offenbar die Lust am Lernen und er hilft mit, Team- und Kommunikationsfähigkeit zu entwickeln. Auch fördert ein Hund das Verantwortungsbewusstsein des Kindes, denn ein Hund kann nur gesund bleiben, wenn man sich um ihn kümmert und seine Bedürfnisse erkennt.

Auch tiergestützte Therapien finden immer mehr Verbreitung. Therapiehunde werden beispielsweise in der Psychiatrie der Mainzer Universitätsmedizin, in Hospizen und Altenwohnheimen eingesetzt. Aber auch Federvieh in einem Außenkäfig, beispielsweise in einem Mainzer Altenheim, macht den Bewohnern viel Freude. Obwohl die Arbeit mit Tieren als Co-Therapeuten bisher noch keinem verbindlichen Zertifikat unterliegt, werden allerorten Erfahrungen mit Therapietieren gesammelt. Lamas, Ziegen und Kaninchen werden in einem Praxisprojekt in Bayern gegen Depressionen eingesetzt. Die gutmütigen Lamas helfen auch Menschen mit einer Schizophrenie im Rahmen einer Sport- und Bewegungstherapie. Katzen im Wartezimmer einer Klinik, die sich auf Angststörungen spezialisiert hat, erleichtern die anschließende Therapie mit den Patientinnen und Patienten, weil die Tiere vertrauensbildend wirken. Pferde und Ponys werden für das therapeutische Reiten ausgebildet, was den Zugang beispielsweise zu autistischen Kindern ermöglicht.

Wenn Sie sich für ein Tier entscheiden, überlegen Sie genau, welches Tier zu Ihnen passt. Denn nicht jede Tierart und erst recht nicht jedes Tier eignet sich. Bei Hunden zum Beispiel spielen ein freundlicher, ausgeglichener Charakter, Geduld, gute Sozialisation sowie rassetypische Veranlagungen eine Rolle. Außerdem braucht ein Hund regelmäßigen Auslauf, Sie sollten also gut zu Fuß sein. Kleine Tiere wie Meerschweinchen wiederum eignen sich nicht für körperlich eingeschränkte oder hektische Menschen. Bedenken Sie außerdem, dass Tiere sehr alt werden können. Manchmal ist auch ein schon etwas älteres Tier aus dem Tierheim empfehlenswert und außerdem sehr dankbar, noch einmal ein neues Zuhause gefunden zu haben.

 

1. bis 15. Februar 2013

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) 

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker