Extremsportarten bei Jugendlichen

"Bei uns findet Ihr alles für Euren Lebenstraum! Seid Ihr bereit für das große Abenteuer?" So oder so ähnlich werben Extremsportanbieterinnen und -anbieter in ihren Katalogen und Internetseiten. Immer mehr Jugendliche wollen diese Angebote auch einmal ausprobieren. Vielleicht sind sie sogar schon süchtig nach den "grenzenlosen Erfahrungen", die zum Beispiel zusammen mit dem Canyoning versprochen werden.

Hier folgen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Wildwasserkanu den Läufen von extremen Wildwasserbächen durch Schluchten und über Wasserfälle. Andere "Adrenalin-Junkies" bevorzugen das "Sky Surfing". Sie lassen sich mit einem Snowboard an den Füßen und einem Fallschirmrucksack aus dem Hubschrauber fallen.

Ein anderes Extrem ist die übermäßige Belastung beim Sport. Also nicht nur Marathon laufen, sondern auch nach 50 Kilometern nicht aufhören können. Oder beim Bergsteigen eine Zweitagestour an einem Tag machen. Eine übermäßig anstrengende und gleichzeitig nervenkitzelnde Sportart ist das Freeclimbing, bei dem man zwar mit Sicherheitsseil aber ohne weitere Hilfsmittel extreme Abhänge, Steilwände und Felsmassive überwindet.

Was treibt Jugendliche dazu, aus Sport Extremsport zu machen? Wie gehen Sie damit um, wenn Ihr eigenes Kind solche "Sportarten" betreibt? Was können Sie als Sportlehrerinnen und Sportlehrer oder Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter Ihren Schützlingen empfehlen? Und schließlich, worin liegen die heilsamen Wirkungen des Sports?

Viele Menschen, die Sport machen, normal joggen oder sogar Touren-Radfahrer, berichten von einem Moment, in dem es "Klick" macht und sie sich trotz der Anstrengung wie beflügelt fühlen. In diesem Moment - so die Theorie - werden zusätzliche Hormone wie das körpereigene Opiat Endorphin und die so genannten Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt. Auch die Konzentration von Serotonin, einem anderen Gefühlshormon, steigt bei körperlicher Beanspruchung. Es stellt sich dadurch eine berauschende Hochstimmung ein. Wer regelmäßig Ausdauersport macht, wird richtig süchtig nach diesem Hormoncocktail.

Im Prinzip ähnlich aber extremer ist es bei den Risikosportarten. In dem Moment, in dem man auf der Brücke steht und nur mit einem Seil gesichert in den Abgrund will, haben auch geübte Bungee-Springer Angst. Doch während man in die Tiefe stürzt, wird der Körper mit Glücksgefühlen überflutet. Diese halten den ganzen Tag an. Bungee-Jumper beschreiben es als ein Highgefühl, so als ob man unter Drogen steht. Der Rausch des Risikos. Nach dem Sprung stellt sich totale Entspannung ein. "Das Glücksgefühl zusammen mit der Entspannung, das baut dich auf und macht dich stark für alles weitere", sagen Sportlerinnen und Sportler. Eine weitere Motivation ist das stolze Gefühl, etwas besonderes gemacht zu haben. Dies stärkt das Selbstwertgefühl.

Sie können Kinder sicherlich nicht immer davon abbringen, sich auch in gefährlichen Situationen zu erproben. Jugendliche befinden sich irgendwann in der Zeit des Aufbruchs, in der sie ihre Grenzen kennen lernen müssen. Erfolgserlebnisse brauchen sie in dieser Zeit auch für ihr noch nicht ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Oft kommt ein gewisser Gruppenzwang dazu, dem man sich nicht entziehen will.

Sie können aber versuchen, das Risiko zu vermindern. Dazu müssen Sie ins Gespräch mit Ihren Kindern oder Schützlingen kommen. Als erste Regel bei solchen Gesprächen raten wir Ihnen, die Bedürfnisse der Jugendlichen nach diesen "Adrenalin-Kicks" ernst zu nehmen. Denn die Faszination, die davon ausgeht, ist immerhin so stark, dass man dafür Gesundheit und Leben aufs Spiel setzt. Aber versuchen Sie, Ihre Kinder oder Schützlinge zu Vorbereitungskursen und richtiger Anleitung zu motivieren. Keine Autofahrerin und kein Autofahrer wird ohne Training auf die Formel-1-Rennbahn zugelassen, nur weil er den Führerschein hat. So ist auch beim Drachenfliegen oder Freeclimbing ein Trainings- oder Einweisungskurs wichtig. Beim Inline-Skating sollten Sie Ihren ganzen Einfluss geltend machen, damit Kinder Protektoren und Schutzhelm tragen, und einen Kurs belegen, in dem sie das Bremsen und Stürzen üben.

Prinzipiell sind sowohl Grenzerfahrungen als auch Sport für die Entwicklung von Heranwachsenden wichtig. Sport fördert den körperlichen Aufbau und das seelische Wohlbefinden. Er beugt chronischen Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes oder Bluthochdruck vor. Oder wie der bekannte Kölner Immunbiologe Professor Gerd Uhlenbruck sagt: "Sport ist Mord - an vielen Krankheiten!". Darüber hinaus fühlen sich Sportlerinnen und Sportler eher in ihrem Körper zuhause und mit ihrer Figur im Einklang.

16. bis 31. Mai 2002 Aktualisiert am 17.2.2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Birgit Kahl