Fieberkrämpfe bei Kindern

16. bis 31. Mai 2015

Rund zwei bis fünf Prozent aller Kinder zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem fünften Lebensjahr erleiden sogenannte Fieberkrämpfe. Ein solcher Anfall sieht angsterregend aus: Das Kind verdreht die Augen, die Lippen verfärben sich blau, es zuckt rhythmisch oder fällt in eine kurze Bewusstlosigkeit.

Meist ist der Anfall spontan nach durchschnittlich fünf Minuten vorüber und das Kind erholt sich anschließend schnell. In seltenen Fällen kann der Anfall aber auch länger als 15 Minuten anhalten und muss dann unter Umständen durch Medikamente beendet werden.

Von den Symptomen her ähnelt der Fieberkrampf einem leichteren epileptischen Anfall, weswegen er medizinisch dort eingeordnet wird. Allerdings hat die Internationale Liga gegen Epilepsie im Jahr 2010 Fieberkrämpfe erstmals als ein eigenständiges Syndrom benannt, welches nicht als Epilepsie klassifiziert werden sollte. Denn Fieberkrämpfe entstehen nicht durch eine Erkrankung des Gehirns, wie die epileptischen Anfälle, sondern durch eine Entzündung im Körper. Meist handelt es sich dabei um einen viralen Atemwegsinfekt im Rahmen einer Erkältung oder Grippe, oftmals aber auch um eine bakterielle Infektion, wie Mittelohr- oder Lungenentzündung. Der Körper wehrt sich mit Fieber – eine gute Methode, um Erreger zu bekämpfen. Bei einer schnellen Erhöhung der Kerntemperatur ist es allerdings möglich, dass die Erregbarkeitsschwelle der Hirnrinde sinkt. Das Gehirn wird leichter erregbar, beziehungsweise übererregbar, was sich in Form von Krämpfen zeigen kann. Viele Fieberkrämpfe ereignen sich daher beim ersten Fieberanstieg im Rahmen eines banalen Infekts. Sie können aber auch auftreten, wenn die Temperatur wieder sinkt.

Befindet sich Ihr Kind in einer solchen Krampfsituation, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Lockern Sie seine Kleidung, damit es frei atmen kann. Bitte flößen Sie dem Kind weder Medikamente noch Flüssigkeiten ein, ansonsten besteht Erstickungsgefahr. Es ist auch nicht hilfreich, das Kind mit kaltem Wasser beruhigen zu wollen, der kalte Reiz könnte vielmehr die Erregung des Gehirns noch verstärken. Verständigen Sie am besten sofort eine Ärztin oder einen Arzt beziehungsweise eine Notärztin oder einen Notarzt. Auch wenn der Anfall schon wieder vorüber ist, sollten Sie medizinische Hilfe in Anspruch nehmen, denn im Einzelfall könnte es sich um einen sogenannten komplizierten Fieberkrampf handeln. Dieser dauert länger als der einfache Fieberkrampf und ist auch noch nach dem Anfall durch die Messung der elektrischen Gehirnströme, dem sogenannten EEG, im Gehirn nachweisbar.

Um den einfachen vom komplizierten Fieberkrampf zu unterscheiden, werden die Kinder zur weiteren Überwachung meist stationär aufgenommen, vor allem, wenn sie noch unter 18 Monaten alt sind. Hier wird auch geklärt, ob nicht etwa doch ein epileptischer Anfall oder auch eine entzündliche Erkrankung der Hirnhäute oder des Gehirns die Ursache ist, was eine besondere Behandlung nach sich zieht. Tritt im Krankenhaus der einfache Fieberkrampf noch einmal auf, wird bei einer Anfallsdauer von mehr als drei Minuten in den allermeisten Fällen ein Medikament mit dem Wirkstoff Benzodiazepin verabreicht. Das Medikament wird entweder in die Wange gelegt, wo es über die Schleimhäute aufgenommen wird, oder es wird als Zäpfchen rektal eingeführt. Die Wirkstoffmenge bemisst sich nach dem Körpergewicht Ihres Kindes. Betroffene Elternteile werden in diese Notfallmedikation eingewiesen, sodass sie beim Wiederauftreten eines Anfalls schnell das richtige Medikament zur Hand haben.

Übrigens ist es nicht ratsam, zur Vorbeugung ein fiebersenkendes Medikament zu geben. Die Fiebersenkung ist zwar ein wichtiger Bestandteil, um das Wohlbefinden des fiebernden Kindes zu verbessern und insofern bei richtig hohem Fieber sinnvoll. Doch eine frühe Fiebersenkung hilft nicht, das Risiko für einen weiteren Fieberkrampf zu senken. Sie müssen also nicht zwanghaft selbst bei einer harmlosen Schnupfennase Ihres Kindes dauernd seine Körpertemperatur messen.

Unser Fazit: Fieberkrämpfe sehen gefährlich aus – in der Regel bleiben sie aber ohne gesundheitliche Folgen für das Kind. In der medizinischen Fachliteratur ist bisher kein Todesfall als Folge eines Fieberkrampfes beschrieben geworden. Je kürzer der Anfall ist, umso schneller kommen die Kinder wieder zu sich. Nach längeren Krämpfen fallen viele Kinder jedoch in einen Schlaf, aus dem sie etwas abgeschlagen erwachen. Viele Eltern haben zwar die verständliche Sorge, ihr Kind können bleibende Gehirnschäden aus dem Anfall davontragen, diese Sorge ist jedoch normalerweise unbegründet.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de, Redaktion: Marielle Becker, Mail: mbecker(at)lzg-rlp.de

Weiterführende Links zum Thema:

Informative Broschüre der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V.