Frühförderung von Kindern

Die frühe Kindheit ist ein spannendes Alter. Die Kinder lernen zu denken. Sie lernen ihre Gefühle und ihr Ich-Bewusstsein kennen. Sie lernen Freundschaften zu schließen. Sie erwerben grundlegende Fähigkeiten in allen Bereichen. Dies alles geht explosionsartig schnell. Mit einer Geschwindigkeit, die später so nie mehr gegeben sein wird, wachsen Nervenzellen heran und vernetzen sich untereinander – und das ist die biologische Voraussetzung, um zu lernen.

Der Grundstock für viele Fähigkeiten wird in dieser Zeit gelegt.

Eltern wollen diese natürlichen Prozesse fördern. Und so ist die Frage naheliegend: Was hilft am besten, um Kinder möglichst gut zu unterstützen? Kinder sind von Natur aus neugierig und wissbegierig, aber es muss auch jemand da sein, der ihren Wissensdurst stillt. Moderne Bildungskonzepte, wie sie unter anderem an der Universität München entwickelt werden, lassen allerdings klar erkennen, dass es nicht sinnvoll ist, wenn Kinder schon früh einseitig gefördert werden. Denn es geht erst einmal darum, so genannte Basiskompetenzen zu erwerben. Das sind grundlegende Fähigkeiten, die ein Kind braucht, um zu einem ausgeglichenen und zufriedenen Menschen heranzuwachsen.

Basiskompetenzen bestehen aus Bewegung, Wahrnehmung, Denken, Mitgefühl und Beharrlichkeit. So ist es zunächst wichtig, dass Sie Ihr Kind klettern, spielen, turnen und balancieren lassen. Nach dem Motto „Toben macht schlau“ entwickelt Ihr Kind in spielerischen Situationen seine Fähigkeiten, sich zu bewegen. Das Wissen, das es hier erwirbt, ist später auch hilfreich bei der Bewältigung von geistigen Aufgaben. Lassen Sie Ihr Kind viel ausprobieren. Es riecht, schmeckt, tastet und fühlt gerne, es möchte probieren, ob es irgendwo hineinklettern oder etwas erreichen kann. Achten Sie auf Ihr Kind, aber lassen Sie es diese Erfahrungen machen. Damit schult es die Körperwahrnehmung und schärft seine Sinne. Dies ist hilfreich, um später ein gutes Körpergefühl zu entwickeln – eine Voraussetzung für ein gesundheitsorientiertes Verhalten und für Wohlbefinden.

Auch Beharrlichkeit ist nach modernen Erkenntnissen eine Basiskompetenz. Ermutigen Sie Ihr Kind, etwas noch einmal zu probieren, wenn es nicht beim ersten Mal klappt. Bringen Sie ihm auch Regeln des sozialen Verhaltens bei. Dazu gehört das Miteinander, zum Beispiel, dass man „immer schön der Reihe nach“ auf die Rutsche geht und sich nicht vordrängelt. Verteilen Sie spielerische Aufgaben an mehrere Kinder. Damit lernen sie das Zusammenspiel, aber auch, dass man manchmal teilen muss und nicht alles für sich selbst haben kann. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, was wohl in einem anderen Kind vorgeht, das gerade weint. So fördern Sie das Mitgefühl und die Fähigkeit, andere Menschen als eigenständige Wesen zu begreifen. Gerade Einzelkinder haben es schwer, diese Fähigkeit zu erwerben, was Pädagogen in Beratungsstellen und Schulen sehr bedauern.

Neben all diesen Fähigkeiten ist es wichtig, dass Sie Ihr Kind dazu ermutigen, etwas wissen und verstehen zu wollen. Kinder sind neugierig und fragen immer das, was sie im Moment gerade interessiert, und sind dann für dieses Wissensgebiet besonders aufnahmefähig. Gehen Sie darauf ein, auch wenn es manchmal zu nerven scheint, und stellen Sie auch selbst anregende Fragen, die das Kind beantworten soll. Dies fördert die geistige Kreativität und Wendigkeit.

Sie sehen schon: Ein Patentrezept für die Förderung gibt es nicht, denn die Entwicklungszyklen und Temperamente sind von Kind zu Kind verschieden. Vor allem gilt es, die individuellen Anlagen Ihres Kindes zu erkennen und zu unterstützen.

Eine besondere Rolle nehmen Kinder mit Entwicklungsstörungen ein. Bei ihnen ist es tatsächlich sinnvoll, Fähigkeiten gezielt zu fördern, die schwächer ausgeprägt sind. Diese Art der Frühförderung geschieht auf Veranlassung der behandelnden Kinderärztin beziehungsweise des behandelnden Kinderarztes. Wenn Ihr Kind jünger als 7 Jahre alt ist und bei ihm eine Entwicklungsstörung besteht, hat es Anrecht auf eine pädagogische und psychologische Frühförderung. Diese wird je nach Problemlage von den Sozialämtern oder Jugendämtern finanziert. Mehr dazu erfahren Sie beispielsweise über die Rheinhessen-Fachklinik Mainz auf deren Homepage unter www.rheinhessen-fachklinik-mainz.de, Suchwort „Frühförderung“, oder telefonisch unter: 06131 378-0.

Ebenso sinnvoll ist eine spezielle Frühförderung bei hochbegabten und überdurchschnittlich intelligenten Kindern. Manchmal gibt es hier einseitige Begabungen, etwa in Musik oder Sport, in Sprachen oder Mathematik. Meistens aber zeigt sich Hochbegabung in einer außergewöhnlich abstrakt logischen Denkfähigkeit und auch Denkgeschwindigkeit. Solche Kinder benötigen spezielle Anreize zur geistigen Entfaltung, da sie sonst durch viel zu niedrige Anforderungen frustriert werden. Weitere Informationen und Unterstützung erhalten Sie von speziellen Vereinen, wie zum Beispiel dem Verein "Hochbegabtenförderung e.V." oder "Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V.".

16. bis 31. August 2012

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)

Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker