Milchzähne putzen - kinderleicht!

16. bis 30. September 2015

Die Zähne zweimal täglich gründlich putzen � für die meisten Erwachsenen ist das ganz selbstverständlich. Doch was viele noch immer nicht wissen: Was für die bleibenden Zähne gilt, gilt auch fürs Milchgebiss. Sobald beim Kind das erste Zähnchen da ist, sollten Eltern mit einer kleinen weichen Zahnbürste mit dem Putzen beginnen.

Dabei wird anfangs einmal am Tag ein Hauch fluoridhaltige Kinderzahnpasta verwendet. Ab dem zweiten Geburtstag kommt zweimal am Tag eine erbsengroße Menge fluoridhaltige Kinderzahncreme zum Einsatz.

Obwohl sie später ausfallen: Milchzähne brauchen von Anfang an ganz sorgfältige Pflege. Denn jeder kranke Zahn, auch jeder Milchzahn, bereitet Schmerzen. Außerdem haben Milchzähne viele wichtige Aufgaben:

  • Sie dienen dem Beißen und Kauen und sind notwendig dafür, dass sich Kinder gut ernähren können.
  • Sie beeinflussen die Sprachentwicklung des Kindes.
  • Milchzähne sind auch Platzhalter für die bleibenden Zähne. Denn wenn sie zu früh ausfallen, kippen die Nachbarzähne in die Zahnlücke. Das hat zur Folge, dass der nachwachsende bleibende Zahn seinen Platz nicht einnehmen und es zu Fehlstellungen kommen kann.
  • Gesunde Milchzähne sind die Grundlage für gesunde bleibende Zähne. Kariöse Milchzähne bergen immer die Gefahr, dass die Karies auf die gerade entstehenden neuen Zähne im Kiefer übergeht.

Gesunde Milchzähne tragen also zum Wohlergehen und zur gesunden Entwicklung des Kindes insgesamt bei.

Machen wir uns aber nichts vor: Kleinen Kindern macht Zähneputzen nicht jeden Tag großen Spaß. Deshalb ist bei den Eltern viel Kreativität und Fantasie gefragt und sie sollten das Zähneputzen spielerisch gestalten. Mit einer Geschichte oder einem Lied zum Beispiel lenken Eltern ihr Kind ab. Vielleicht mag es das Kind, sich während des Putzens im Spiegel zu beobachten? Auch das kann ablenken. Wichtig ist, dass Sie als erwachsene Person sich Zeit nehmen und in Ruhe handeln können. Wählen Sie einen günstigen Zeitpunkt � sowohl für sich selbst als auch für das Kind. Am besten lassen sich die Zähne putzen, wenn Sie Ihr Kind auf den Schoß oder auf den Wickeltisch setzen. Auch wenn es manchmal schwer fallen sollte: Bleiben Sie geduldig und konsequent! So kann nach und nach ein Ritual entstehen und das Zähneputzen wird zur Gewohnheit � genauso wie das Händewaschen vor dem Essen.

Für größere Kinder gibt es eine ganz neue Methode, Spaß am Zähneputzen zu gewinnen: Eine App, welche die LZG gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendzahnpflege Rheinland-Pfalz LAGZ entwickelt hat. Diese App können Sie sich kostenlos auf ein Tablet herunterladen. Die Bewegungen der Gesichter der kleinen Spieler werden per eingebauter Kamera wahrgenommen. Die Kinder sehen sich dann zum Beispiel in der Figur eines Feuerwehrmanns oder einer Tierpflegerin in verschiedenen lustigen Szenarien. Nun muss das Kind dafür sorgen, dass genügend Schaum zum Löschen des Feuers oder zum Waschen der Tiere vorhanden ist. Das geht alleine mittels Zähneputzen, denn die App reagiert dabei auf das Putzgeräusch. Die Kinder können also durch kontinuierliches Putzen dafür sorgen, dass das Feuer gelöscht wird und die Tiere gewaschen werden. Durch dieses geschickt eingebaute Feedback nehmen sie unmittelbar Einfluss auf das Geschehen auf dem Bildschirm, was das Zähneputzen spannend macht.

Wichtig ist allerdings nicht nur der Spaß beim Putzen, sondern vor allem die richtige Putztechnik. Ab dem Schulalter sollten Kinder die KAI-Methode erlernen und einüben. Das �K� in KAI steht für Kauflächen. Alle Kauflächen werden durch Hin- und Herbürsten gereinigt. Dabei ist der Mund weit geöffnet. Das �A� steht für die Außenflächen. Sie werden mit kreisenden Bewegungen der Zahnbürste bei leicht geöffnetem Mund geputzt. Das �I� schließlich steht für die Innenflächen. Mit kleinen Drehbewegungen aus dem Handgelenk werden die Zahninnenflächen �von Rot nach Weiß�, also vom Zahnfleisch zum Zahn, sauber gewischt. Dabei ist der Mund weit offen. Selbstverständlich kommt eine fluoridhaltige Zahnpasta zum Einsatz.

Sie sollten wissen, dass Kinder zunächst feinmotorisch nicht in der Lage sind, durch Drehen und Wenden der Bürste an alle Zahnseiten zu kommen. Hier gilt die Faustregel: Erst wenn ein Kind flüssig schreiben kann, ist es auch feinmotorisch zu einer gründlichen Reinigung fähig. Das ist meistens im Laufe der zweiten Klasse der Fall. Solange sollten Sie als Eltern morgens wie abends nachputzen.

Das sorgfältige, regelmäßige Putzen ist ein zentraler Baustein, Zähne gesund zu erhalten. Doch es ist nicht der einzige. Als Eltern sollten Sie vor allem auch auf eine zahngesunde Ernährung achten. Bieten Sie Ihrem Kind viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte an. Süßigkeiten und süße Getränke sollten die Ausnahme sein. Achten Sie auf einen zuckerfreien Vormittag. Überlassen Sie Ihrem Kind zudem nicht die Babyflasche zum Dauernuckeln, um Karies an den Milchzähnen zu vermeiden, geben Sie ihm am besten Wasser und ungesüßte Tees aus einem normalen Becher. Übrigens: Sobald Ihr Kind sitzen kann, kann es schon aus einem Becher trinken. Nehmen Sie dann noch Ihr Kind ab dem ersten Zähnchen zweimal jährlich mit zum Zahnarzt, legen Sie den Grundstein dafür, dass es eine zahngesunde Zukunft vor sich hat.

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de, Redaktion: Marielle Becker, Mail: mbecker(at)lzg-rlp.de

Weiterführende Links zum Thema:

Die Zahnputz-App zum kostenlosen Downloaden

Informationen rund um die richtige Pflege ab dem ersten Zahn