Kopfläuse in der Mützenzeit – keine Panik!

Ein Seufzer ist zu vernehmen, wenn im Kindergarten oder in der Schule – vor allem jetzt in der Mützenzeit – der „Läusealarm“ ausgerufen wird. Für alle Eltern heißt es dann: Die Köpfe ihrer Kinder untersuchen und im Falle eines Läusebefalls schnell und richtig handeln. Denn wenn auch nur ein einziges Kind weiterhin mit Läusen in die Einrichtung kommt, ist die Mühe der anderen Eltern umsonst und die Plage beginnt von Neuem.

Kopfläuse klettern flink von Haar zu Haar, fliegen oder springen können sie nicht. Für die Übertragung ist der direkte Körperkontakt wichtig, der bei Kindern keine Seltenheit ist. Vor allem kleinere Kinder stecken ihre Köpfe etwa beim Spielen oder Lernen viel enger zusammen als Erwachsene. Die Haarlänge spielt bei der Übertragung der Läuse übrigens genauso wenig eine Rolle wie die Anwesenheit eines Haustieres.

Die Kopflaus ist ein Parasit, dessen Lebensdauer etwa vier Wochen beträgt und der sich von Blut ernährt. Saugt er kein Blut, stirbt er spätestens nach zwei bis drei Tagen. Deshalb haftet die Laus auch so hartnäckig am Haar: Sie klammert sich mit Greifhaken fest, um nicht abzurutschen, denn schließlich geht es um ihr Überleben. Kopfläuse sind zwar nicht gefährlich, aber lästig. An das Blut des Menschen gelangen sie mit einem stechenden Saugrüssel. Der Stich ist nicht zu spüren und überträgt keine Krankheiten, er löst allerdings unangenehmen Juckreiz aus. Ein Läuseweibchen kann bis zu zehn Eier am Tag legen. Die Eier klebt es nahe der Kopfhaut an den Haaren fest. Diese weißen, schuppenartigen, klebrigen Hüllen des Eies werden als Nissen bezeichnet. Sie finden sich vor allem hinter den Ohren, im Nacken und an den Schläfen. Es dauert sieben bis zehn Tage, bis die Larve aus dem Ei geschlüpft ist und noch einmal so lange, bis sie erwachsen und geschlechtsreif ist.

Haben Sie bei Ihrem Kind Nissen oder Läuse festgestellt, müssen Sie kurzfristig in der Apotheke rezeptfreie Läusemittel zum Einreiben kaufen. Die Mittel müssen aus eigener Tasche bezahlt werden, es sei denn, der Kinderarzt verschreibt sie. Das klassische Medikament enthält ein Läuse-Nervengift mit dem Wirkstoff Pyrethrum, auch Mittel in ähnlicher Form mit dem Namen Permethrin oder Allethrin gibt es. Allerdings werden die Läuse zunehmend unempfindlich dagegen. Neue und ungiftige Läusemittel enthalten das Silikonöl Dimeticon. Dieses dringt in die Atemöffnungen der Läuse ein und führt zum Ersticken. Für alle Mittel gilt: Die Behandlung muss unbedingt nach acht bis zehn Tagen wiederholt werden, um auch die zwischenzeitlich geschlüpften Jungtiere zu beseitigen! Da häufig durch die Läusemittel nicht alle Eier getötet werden, ist das mehrfache zusätzliche "nasse Auskämmen" unabdingbar: Schäumen Sie die nassen Haare mit einer Pflegespülung ein, so dass die Haare glatt werden. Kämmen Sie Strähne für Strähne mit einem feinzinkigen Nissenkamm – der Abstand der Zinken beträgt nur 0,2 Millimeter. Säubern Sie nach jedem Strich den Kamm mit einem weißen Tuch, so erkennen sie heraus gekämmte Läuse. Diese Methode ist somit auch zur Kontrolle geeignet. Geschwisterkinder, die im selben Haushalt leben, sollten Sie übrigens auch der Prozedur unterziehen. Wichtig nach der Durchführung ist: Legen Sie Kämme und Bürsten nach jeder Behandlung für zehn Minuten in heißes Wasser und reinigen Sie sie dann.

Laut Studien befinden sich an Handtüchern, Leib- und Bettwäsche keine Läuse. Trotzdem fühlen sich viele Eltern wohler, wenn Sie die Wäsche einmal bei 60 Grad waschen und Kuscheltiere beispielsweise für zwei bis drei Tage in einer Plastiktüte in der Gefriertruhe lagern. Desinfektionsmittel und Insektizide sind nicht notwendig. Intensives Staubsaugen der Wohnung und des Autos sind übrigens nicht zwingend notwendig. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass eine Laus von einem Haar herunterfällt, ist sehr gering.

Wenn Ihr Kind Läuse hat, informieren Sie Lehrer, Erzieher und Ihr direktes Umfeld, damit auch andere Eltern gewarnt sind. Peinlich muss dies niemandem sein, denn Kopfläuse sind nicht die Folge mangelnder Hygiene und kommen in allen sozialen Schichten vor. 85% aller Kinder werden irgendwann von Kopfläusen befallen.

Bereits am Tag nach Behandlungsbeginn darf Ihr Kind wieder zur Schule oder in den Kindergarten. Es reicht meist, wenn Sie den Lehrerkräften oder Betreuern schriftlich bestätigen, dass Sie mit der Behandlung begonnen haben. Manche Schulen und Kindergärten verlangen ein Attest, das die Behandlung durch den Arzt bescheinigt.

In unserem nächsten Gesundheitstelefon ab 15. Oktober 2011 geht es um das Thema „Was tun bei hohem Blutdruck?“. Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!

1. bis 15. Oktober 2011

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, www.beatrice-wagner.de, Redaktion: Birgit Kahl-Rüther