Ruhestand?! So können Sie sich vorbereiten!

Endlich Ruhestand. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können den Tag kaum erwarten, an dem sie zum letzten Mal von ihrem Wecker viel zu früh aus dem Schlaf gerissen werden. Manche sind auch erleichtert, einem unliebsamen Kollegen oder einer unliebsamen Kollegin auf Nimmerwiedersehen sagen können. Auch die lästige Fahrt zum Arbeitsplatz entfällt. Aber: die konkreten Zukunftspläne sind meist ungewiss.

Vielmehr denken Ruheständler, dass sie nur noch das tun wollen, was ihnen Spaß macht – ohne genau definieren zu können, was das ist. So kann es schnell passieren, dass genau die Menschen, die sich zunächst unbändig auf ihren Lebensabend gefreut haben, nun krampfhaft überlegen, was sie Sinnvolles mit ihrer Zeit anfangen könnten. Hält dieser Zustand zu lange an, drohen Langeweile, Stimmungstiefs oder sogar Depressionen – ein Risiko, dem unbedingt vorgebeugt werden sollte!

Damit es Ihnen zu Beginn und während Ihres neuen Lebensabschnitts gut geht, raten wir Ihnen, den Ruhestand nicht ungeplant auf sich zukommen zu lassen. Sie treten in eine völlig neue Episode Ihres Lebens ein, die auch Neues und Herausforderungen mit sich bringen kann. Möglicherweise haben Sie noch recht viele Jahre vor sich, in denen Sie gesund, fit und mobil sind. Sie besitzen Lebenserfahrung und wissen viel. Forschungen haben gezeigt, dass ältere Menschen komplexer und gründlicher denken können als jüngere. Sie sind nicht mehr durch ihre Kinder oder die Arbeitsstelle an einen Ort gebunden. Mit anderen Worten, Sie haben zwar die Phase Ihrer Erwerbstätigkeit beendet, sind aber trotzdem zu einem aktiven und selbstbestimmten Leben fähig. Die wirklich wichtige Frage lautet daher: Was fangen Sie mit diesem neuen Abschnitt an?

Wenn Ihr Ruhestand in circa fünf Jahren beginnen soll, starten Sie am besten jetzt schon, sich Gedanken zu machen und Ideen über die Zeit nach Ihrem aktiven Erwerbsleben zu entwickeln. Achten Sie auf die Momente, in denen Sie sie sich sagen, „wenn der Tag 48 Stunden hätte, dann würde ich das und das machen“. Nehmen Sie sich Zeit und Ruhe, um auch in die Vergangenheit zu schauen. Das gelingt Ihnen vielleicht auf einem langen Spaziergang oder durch ein paar Tage Auszeit. Vergegenwärtigen Sie sich die Wegkreuzungen Ihres Lebens, an denen Sie sich für einen Weg entscheiden und einen anderen verlassen mussten. Sicher kommen auf diese Weise viele Ideen und vergessene Wünsche zu Tage. Diese könnten zum Beispiel sein, mehr Zeit in der Natur zu verbringen oder vielleicht einen Sprachkurs zu absolvieren. Die Ideen könnten auch ganz anderer Art sein: Vielleicht möchten Sie künftig in einem anderen Bereich weiterarbeiten, nicht mehr so profitorientiert wie bisher, sondern einfach nur weil es Sie erfüllt. Oder Sie möchten der Gesellschaft oder der Natur etwas zurückgeben und sich daher ehrenamtlich engagieren. Schreiben Sie die Richtungen auf, in die Sie schon einmal gehen wollten und die Sie nicht weiterverfolgen konnten.

Wenn Ihnen Versäumnisse oder Wünsche wieder bewusst werden, geht es um die Frage, wie Sie in ein neues Umfeld einsteigen können. Jetzt ist es hilfreich, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, neugierig zu sein und Zufälle aufzugreifen. So fällt es Ihnen leicht, für Sie passende Aufgaben zu entdecken. Haben Sie etwas Reizvolles entdeckt, schnuppern Sie zunächst in diese Tätigkeiten hinein und bauen sich dann ein Parallelprogramm zu Ihrer Erwerbstätigkeit auf. Scheuen Sie sich nicht, neue Kontakte zu knüpfen. Wenn Sie sich so sanft auf den Ruhestand vorbereiten, geht der Übergang in die neue Etappe nahtlos vonstatten.

Natürlich können trotzdem Schwierigkeiten auf Sie zukommen. Wer viel gearbeitet und sich über seinen Beruf definiert hat, muss sich jetzt mit der Erkenntnis auseinandersetzen, in der Firma ersetzbar zu sein. Die Kolleginnen und Kollegen, die zu Freunden geworden sind, haben plötzlich für ein Treffen kaum mehr Zeit. Viele Gesprächsthemen, die sich aus der Firma generiert haben, fallen weg. Und in der Partnerschaft geht es durch das ständige Zusammensein auch nicht zwangsläufig besser. Umso wichtiger ist es, dass Sie etwas Neues beginnen. Suchen Sie nicht nur Ablenkung, sondern eine neue Aufgabe!

Übrigens: Im Englischen spricht man von „retirement“, wenn man sich aus seinem aktiven Beruf zurückzieht. In dem Begriff steckt das englische Wort "tire" für müde und erschöpft sein. Man kann retirement aber auch anders und positiver interpretieren, denn „tire“ heißt auch „Reifen“. Denken Sie sich also, dass Sie im Ruhestand neue Reifen („re-tire“) aufziehen, mit denen Sie neu starten können! Wenn Sie diese neue Chance ergreifen, sind Sie auch vor einer der größten Ängste vor dem Alter gefeit, nämlich der Einsamkeit. Menschen, die gebraucht werden und die für ihre Tätigkeit Anerkennung finden, werden nicht einsam sein, sondern immer genügend Gleichgesinnte um sich herum haben.

Vielen Dank für Ihr Interesse und bleiben Sie gesund!

© Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG)
Text: Dr. Beatrice Wagner, Redaktion: Marielle Becker

01. bis 15. Februar 2014